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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

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blickte hin und sieh da! ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hielt eine 
Wage in seiner Hand." 
Die Gedankengröße dieser Visionen hätte die meisten Maler ab- 
geschreckt, Watts hingegen ging mit deutlich erkennbarer Begeisterung ans 
Werk. Die Pferde und Gestalten sind geistvoll entworfen, überhaupt ist das 
Werk voll packender Wirkung und dramatischer Kraft. 
Zum Schlusse wollen wir seine eigenen Worte anführen, die vollauf 
das Ziel und Ende seiner Lebensaufgabe erklären. „Es kommt darauf an, 
der Kunstsprache moderne Begriffe von ethischer und geistiger Beschaffen- 
heit einzuflößen." Zieht nicht gerade der Ausdruck „moderne Begriffe" dem 
bleibenden Wert seines Werkes eine Grenze? 
DER GOTISCHE OFEN AUF DER VESTE 
HOHENSALZBURG, SEINE VERMUTLICHE 
IjIERKUNFT UND AHNLICHE ARBEITEN IN 
OSTERREICH St. VON ALFRED WALCHER v. 
MOLTHEIN S0 
N gotischen Werken deutscher Ofenkeramik sind 
nur wenige vollständige Beispiele auf uns 
gekommen; dagegen finden sich einzelne Kacheln 
allenthalben in Museen und Privatsammlungen. 
Der unruhige Geist des Rokoko, welches 
dem schlanken, sich nach oben verjüngenden 
und einfarbig glasierten Ofen den Vorzug gab, 
hat die alte, noch gotische Form mit ihrem ob- 
longen Grundriß, ihrem viereckigen Feuerraum 
und dem gleichgestalteten, runden oder viel- 
eckigen, meist etwas zurückgerückten Oberbau verdrängt. 
In diese Zeit setzen wir die Vernichtung gotischer und Renaissance- 
öfen beziehungsweise, wenn Pietät für das Alte vorhanden war, ihre Ab- 
tragung und die gesicherte Aufbewahrung ihrer Bestandteile, der Kacheln. 
Vollständige Verschonung wurde ihnen also nicht in den Schlössern, den 
öffentlichen Gebäuden der Städte und in den Patrizierhäusern, sondern nur 
auf den Burgen und in den Bauernhöfen zuteil; hier sind es wenige Meister- 
werke der Hafner, dort nicht seltene interessante Beispiele des einfachen, 
aus Hohlkacheln aufgebauten Ofens. 
Das bedeutendste Exemplar der Öfen gotischen Stiles steht auf der 
Veste Hohensalzburg. Zu der hervorragenden Größe des Stückes tritt eine 
architektonische und plastische Ausschmiickung, wie wir sie in Wieder- 
holung nicht finden. 
Bei dem geringen Interesse, welches bei uns in Österreich noch vor 
absehbarer Zeit für die Geschichte unserer Gewerbe geäußert wurde, sowie 

	        

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