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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

daß der Bildhauer, der übrigens wahr- 
scheinlich kein Österreicher war, eine Reihe 
von Hohlformen für den Hafner lieferte oder 
richtiger gesagt die Modelle, mit deren Hilfe 
sich der I-Iafner selbst die Hohlformen her- 
stellen konnte. Es kommt schließlich hier, 
als bei einem keramischen Objekt in erster 
Linie der Anteil des Hafners an dem Werk 
in Betracht und nicht jener des Form- 
schneiders. Wir bestimmen keramische 
Arbeiten nach dem Orte ihrer Herstellung 
und nicht nach der Herkunft ihrer Vorlagen, 
die ja in der Regel überall zu haben waren. 
Erzbischof Leonhard ist auf den Kacheln 
wiederholt dargestellt, stets mit einer Salz- 
kufe in der Hand oder zu seinen Füßen. 
Dieses Beiwerk ist von altersher herüber- 
Kachel aus Rauds um xsw genommen, denn schon dem Bischof Rudbert 
Sammhmg D"A1be"liigdo' von Salzburg war es beigegeben. - Bei 
Leonhard hat es aber eine intensivere Bedeutung, welche wir uns in den 
hervorragenden Unternehmungen des Erzbischofes bei Förderung des Salz- 
betriebes erklären können. Die Vollendung des großen Salzachrechens, 
sowie die große Salinensäge vor dem Griestor in Hallein waren sein Werk. 
Nach dem Gesagten scheint der Ofen Hallein näher zu stehen, als der 
erzbischöflichen Stadt; ja gewisse Kacheln weisen uns direkt ins Salzburger 
I-Iochland. 
Die Kachel mit dem dahinschreitenden verschrobenen und kurzarrnigen, 
hinten überbauten Krüppel, dem ein übermäßig großer Kopf zwischen den 
schiefen Schultern sitzt, zeigt uns jenen Typus salzburgischer bäuerlicher 
Bevölkerung, die als Kretins ein elendes Dasein führen. Im Aberglauben der 
Halleiner Bergleute spielten solche Gestalten eine große Rolle. Sie begegneten 
ihnen so wie Gnomen und Untersbergermännchen im Schacht und galten 
als von den Hexen ausgewechselte Menschenkinder, geistlos und miß- 
gestaltet. 
Ähnlich die Kachel mit der hohen Blume, aus deren Kelch ein junger 
Mann steigt. Im Gebirge lebte der Glaube an geheimnisvolle PHanzen, mit 
denen man sprechen konnte und aus deren Blüten Verheißung von Glück 
oder Unglück erfolgte. Dieser Aberglaube entstand naturgemäß aus der 
Erkenntnis der Kräfte, welche den Alpenpflanzen innewohnen. Unter diesen 
spielte im Salzachtale die Alraunwurzel eine große Rolle. Der Genuß der 
Beeren machte fruchtbar, die Blätter heilten Wunden und die Wurzel wirkte 
betäubend. Wurde die Pflanze beim Ausgraben verletzt, so erschien ein 
kleines Männchen von teuflischem Wesen unter so kläglichem jammern, 
daß der Grabende vor Schreck sterben mußte. Auf diesen Aberglauben 

	        

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