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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

Bleiglasuren; nur beim Ofen der Sammlung 
Miller von Aichholz vermute ich bei einzelnen 
Kacheln die ersten Versuche der Verwendung 
einer Glasur, welche durch Zusatz von Zinn 
opak gemacht wurde. 
Wenn ich mich darin nicht getäuscht habe, 
gewinnt der Ofen noch mehr an Interesse, da er 
dann das älteste Beispiel mit Zinn glasierter 
Hafnerarbeiten ist. Dann wird auch die bis- 
herige Behauptung der Keramiker nicht richtig 
sein, Deutschland habe vor der Mitte des 
„ XVI. Jahrhunderts das Zinnemail nicht herzu- 
Kachel aus R-uris um Isvß stellen verstanden. Wenn Mathesius, der mit 
S""'""""g D" Am" Figd" der Metallurgie, dem Hüttenwesen und anderen 
industriellen Wissenschaften vertraute Pfarrer in seiner Bergpostille vom 
Jahre I 562 das Zinnemail nicht anführt, wo er sich doch über die Bleiglasuren 
der Töpfer eingehend ausspricht, ist wohl dies nie und nimmer ein Beweis, daß 
die Verwendung der Zinnglasuren in deutschen Ländern damals noch unbe- 
kannt war. In Italien war sie spätestens X450 kein Geheimnis mehr. Wenn die 
Kenntnis der Herstellung nun nahezu hundert Jahre benötigt, um sich den 
Nürnberger I-Iafnern in der Mitte des XVI. Jahrhunderts mitzuteilen, so ist 
es eigentlich nur selbstverständlich, daß sie schon bald nach 1500 Eigentum 
der Töpfer und I-Iafner unseres Hochlandes war. 
Es frägt sich nunmehr, ob die Stadt I-Iallein auf ein älteres Hafner- 
gewerbe zurücksehen kann und sich darin künstlerisch betätigen konnte? 
Die bekannte Erscheinung, daß sich das Gewerbe der Töpfer und 
Ofenhafner intensiver in Städten zweiten, als in solchen ersten Ranges 
entwickelt, trifft auch hier zu. 
Auf eine sehr alte keramische Industrie kann I-Iallein zurückblicken. 
Reiche Tonlager befanden sich in der Nähe des unmittelbar gegen Südosten 
an Hallein angrenzenden Dorfes Gamp. Das Dorf kam schon etwa 750 als 
ein Geschenk des Herzogs Tassilo an das Salzburger Kloster, das spätere 
Erzstift. Dort entstand auch die erste Sudhütte. Was das Hafnergewerbe in 
Gamp betrifft, so geht dasselbe weit zurück, wie wir aus der I-Iafnerordnung 
des Erzbischofes Johann Jakob entnehmen können. Das Siegel der Gamper 
Hafnerzeche zeigt einen ungestielten Bergmannshammer. 
Noch ältere Belege haben wir für das gleiche Gewerbe in Hallein. In 
erster Linie ist es das gegen den Dürmberg zu gelegene I-Iafnertor. Dort 
außerhalb der Stadt müssen größere Werkstätten gestanden sein. Eine von 
diesen existiert heute noch; angelehnt an die alte Stadtmauer ist sie in ihren 
Hauptteilen gut mehr als vierhundert Jahre alt. Die kleinen, zwischen mehr 
als rneterbreiten Mauern eingekeilten Brennöfen machen diese alte Stätte 
eines I-Iandwerkes besonders bemerkenswert. Daß in diesem I-Iause nicht 
nur gewöhnliche Ware erzeugt wurde, beweisen die dort aufgefundenen 

	        

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