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Marmor, das sich oben in zwei senkrecht gestellte Fittiche spaltet; die dazu gehörige 
betende Jünglingsbüste tritt in halber Höhe hervor. Nicht gelöst ist hier nur das Verhältnis 
von Realismus, den die Büste jadoch hat, zum ganz schematischen Stil der Flügel. Im Ganzen 
doch ein interessanter Versuch. Mestrovic' „Timor Dei", ein riesiger Fuß, der allerlei 
ringende Menschheitniedertritt, ist ein SeitenstückzuRodinsJIand Gottes" ; derFuß zu brutal 
gestaltet, die Gruppen talentvoll. Immerhin soll man sich durch Rodin nicht beeinflussen 
lassen. Ein ganz Neuer, der Hellmer-Schüler Hugo Kühnelt, erregt durch eine energisch 
angefaßte „Kauernde" aus Untersberger Marmor namhafte Erwartungen. Luksch, Breithut, 
Josef Müllner, Alfred Hoffmann sind nicht zu übersehen. Unter den Malern steht diesmal 
der Tiroler Leo Putz (München) voran. Sein großes Bild: „Sommers Lust und Freude" 
ist ein prächtiges Schauspiel von mannigfachstem Reflexleben und kann sich sehr wohl 
neben spanische Sachen von Anglada und Konsorten stellen. Auch sein Damenporträt 
mit landschaftlichem Hintergrund hat solche Tugenden. Sehr gelungen im modernen 
Sinne auch Engelharts Niederblick „Von der Rax" auf die Schnee- und Eiswelt des 
Winters; ein mächtiger Farbeneindruck, in eine Hohlhand zusammengefaßt. Dann Wyczol- 
kowskis (Krakau) aus dem Mark der Farbe herausgegriffene Landschaften: „Schwarzer 
See" und „Meeraugeü Ferner Sigmundts steirische Landschaft „Die Weide", die wie 
feinerer Hörmann wirkt. Und die gustiosen Znaimer Landschaften Nowaks, der sich sehr 
schön herausmacht. Manches Gute auch von anderen Mitgliedern: Moll, Stöhr, König, 
Andri (dieser besonders frisch), Ederer, Kurzweil. Ein „Biergarten" von Nißl, mit 
Sonnenfleckenspiel, heimelt an. Maximilian Lenz hat 15 ganz reizende Aquarelle für ein 
Ballet: „DieWiinschelruteZLieberwein einenAquarellzyk1us: „Dornröschen", derKrakauer 
Mehoffer ein gesund losknallendes Japan-Interieur u. s. w. Schließlich fesselt ein origineller 
„Warteraum", von Wagner-Schülern gestaltet (Hoppe, Kammerer, Schönthal), ohne 
„Pflanz", aber eigen; den Inhalt besorgen allerlei hübsche graphische und quasi-graphische 
Kleinigkeiten von Stolba, Blauensteiner, Zdrasila und anderen. 
AGENBUND. Die Frühjahrsausstellung des I-Iagenbundes hat einen plastischen 
Mittelpunkt, der Aufsehen erregt. Eine große farbige Gruppe von Wilhelm Hejda, 
deren malerische Blutrünstigkeit seine früheren Gruselszenen fast in Schatten stellt. Es 
ist eine Judith, die in ehernem Kessel das Haupt des Holofernes trägt und das Blut davon 
abgießt. In dickem, rotem Schwall Hießt es zu Boden und verbreitet sich weithin. Zwei 
magere schwarze Panther schleichen heran und lecken es gierig auf. Gemalt hat man 
solches schon gesehen, gemodelt und koloriert noch nicht. Appetitlich ist es natürlich nur 
für Panther und solche, die es werden wollen. Aber unwillkürlich fragt man sich: warum 
bekommt ein Hejda nicht gelegentlich einen Kalvarienberg zu machen? Er könnte auf 
diesem Gebiet Meisterwerke schaffen. Es gibt noch immer große Talente, die Passion 
Christi zu gestalten, aber die Aufträge wollen nicht kommen. Die wjuditha hat jedenfalls 
starke Qualitäten. Die ganze Gruppe ist nur ein Extempore, aber voll starker Keime zu 
künstlerischer Wirkung. Das Weib, bis an die Hüften bloß, orientalisch matt getönt, mit 
rabenschwarzer Omamentik des Kopfes, trägt ein grellgrünes Gewand, das die Röte des 
Blutes noch röter macht. Die Schwärze der Panther hebt ebenso den gelblich bleichen 
Fleischton. Es ist alles wohl überlegt. Die Umgebung der grassen Gruppe bilden eine 
Anzahl ganz delikater Plaketten und Porträtmedaillons des Künstlers. Er hat augen- 
scheinlich zwei ganz verschiedene Hände. Eine Europa auf dem Stier hat auch etwas 
eigenes und ebensowenig fehlt es einigen Landschaften (iAprilschneec) an Einfällen. 
Plastische Beiträge bringen ferner Heu, Stundl, Gurschner und Barwig. Heus großes 
Kruzifix, dem man etwas von Hejdas Temperament wünschen möchte, hebt sich von 
einer Mosaikwand L. F. Grafs ab, der diesen ersten Versuch glücklich besteht. Immerhin 
ist die Farbenwirkung zu brillant für das Thema. Urban hat einen stattlichen Wand- 
brunnen aus grünem Marmor und dunklem Granit komponiert, zu einer bronzenen 
Brunnenfigur von Heu. Unter den Malereien sind die von Graf die auffälligsten; eigen- 
a:
	        

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