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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

An Desjean und Hötgers plastische Croquis der „Vie parisienne" erinnern die 
Figuren von Clostre. Mit einem skulpturalen Debut triiTt man den Zeichner Valloton. Er 
hat „La jeunesse" gebildet mit einer bewußten Primitivität und Stumpflinigkeit, die an 
Carabins Kleinbronzen denken läßt. 
Manches Technische interessiert, so die experimentelle Ästhetik, die sich an Zinn- 
patinierungen versucht, die einen Pallas-Torso (von Bourdelle) in die Erde vergräbt, um 
seine Epidermis zu nuancieren, auch die koloristischen Etuden, die japanisch altbraune 
Tönungen mit verwischtem Goldschimmer aufhellen. Neben der darstellenden Plastik, 
von der noch die graziöse Damenstatuette des Japaners Koren genannt zu werden verdient, 
findet sich auch Gerät und Schmuck. Von Desbois sieht man Vasen und Schalen mit 
Libellen und Blättern in Messing und Zinn, in weicher hauchig zarter Modellierung des 
Basreliefs, sowie Brochen und Anhänger aus Gold mit Steinen und transluzidem Schmelz 
koloriert. 
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In der Nationalgalerie findet zur Zeit eine Menzel-Gedächtnisausstellung statt. Das 
gewaltige „Oeuvre" des Meisters kann man hier in allen seinen Reichen durchwandern. 
Es beherrscht die oberen Stockwerke der Galerie mit ihren großen Sälen, kleinen Kabinetten 
und Durchgängen vollständig. 
DasWerk des Malers sieht man, die Friedrich-Bilder, die so einzig historisch-kulturelle 
Stimmung mitmalerischen Werten einen, „Das Flötenkonzert",bei dem für den Meister selbst 
das Lichterspiel der Kronleuchterkerzen das Lockendste war, und das I-Ielldunkelstück des 
Hochkirch-Bildes „Bon soir, rnessieurs". Dazu kommt als eine Überraschung das Fragment 
eines Gemäldes „Friedrich der Große und seine Generale vor der Schlacht bei Leuthen". 
Ein Entwurf voll Gewalt und Größe ; Menzel selbst aber hat es nicht befriedigt, er haderte 
und verwarf es und ließ es unvollendet. Zum XVIII. Jahrhundert gesellen sich die 
Bilder der Kaiser Wilhelm-Zeit, Berliner Hofklima 1870 bis 80. Und dann führt dieser 
Lebens- und Kunstweg auf alle Straßen der Welt und nichts gibt es, was diesen durch- 
dringenden Blicken entgeht und ihnen verschlossen bleibt. Und mehr noch als in jenen 
Historien fesseln uns unwiderstehlich jene Skizzen, die in unabsehbarer Fülle hier aus dem 
Nachlaß ausgebreitet wurden. Ein Mikrokosmos, der wirklich den ganzen Umfang 
irdischer, tätig wirksamer Existenz umfaßt, eine Lebensbilderschrift, die alle Dinge schöpfe- 
risch ausdrückt und beseelt wiedergibt. 
Menzel war immer wißbegierig und hatte am Experimentieren sein Vergnügen. 
Ein Zeichen davon konnte der Cassirersche Salon zeigen. Ein photographisch- 
malerisches Experiment stellt es dar. Menzel malte einmal auf eine Glasplatte ein bärtiges 
Männergesicht als Negativ, so daß also die dunklen Stellen hell angegebenwurden; die hellen 
deckte er mit Karmin. Auf photographischem Papier wurden davon Kopien gefertigt, die 
ein äußerst wirksames Resultat ergaben. Aus dem Jahre x865 soll dieser Versuch stammen. 
Dies Negativ und die Abzüge waren bei Cassirer zu sehen, sie liefern einen kleinen aber 
besonderen Beitrag für die spürende, probierende Art des Meisters. 
In der Nationalgalerie rnuß man noch die Neuerwerbungen mustern. Ihr erlesen- 
stes Werk ist die große Kreuzabnahme Böcklins aus den Siebzigerjahren. Sie war früher 
einmal bei Schulte ausgestellt. Eine herbe, strenge Charakteristik mischt sich hier mit einer 
tönenden Landschaftslyrik. Die Wiese leuchtet von schimmernden Blumen, der Himmel 
darüber, tiefblau, ist schon halb von schweren Abendschatten verhängt, in die tiefe Farben- 
fülle hinein leuchtet das Weiß der Gartenmauer. In solcher Landschaft vor den ragenden 
Kreuzen ruhend die Christusgestalt, um sie die Jünger und die Frauen mit Schmerzgebärden; 
diese Figuren haben etwas von der feierlichen Stilisierung des Passionsspiels, ein Linien- 
pathos von strenger wie versteinter Schönheit. 
Vielseitig ist der Charakter der Neuerwerbungen. Leibls „Bäuerin mit Kind", an die 
„Dachauerinnen" erinnernd, die Thomasche „Rheinlandschafw zeugen für die Gegenwart.
	        

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