MAK

Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 3)

NTER den jungen Kunsthandwerkern Englands 
haben sich in den letzten Jahren die Metall- 
arbeiter Omar Ramsden und Alwyn Carr eine 
ganz bedeutende Stelle gesichert. Als „Zunft- 
genosse" und Vorstand der Londoner Junior 
Art Workers' Guild, welcher auch die beiden 
unzertrennbaren Künstler angehören, habe ich 
vielfach Gelegenheit gehabt, den erstaunlichen 
Fortschritt zu beobachten, der sich in den letzten 
drei Jahren an ihren Arbeiten verfolgen ließ. Die 
ersten Stücke, die mir zu Gesicht kamen, zeigten schon den Ernst, die tech- 
nische Handfertigkeit, die Originalität und den Ideenreichtum der beiden 
Künstler. Fehlerlos waren sie allerdings nicht. Von dem richtigen Grund- 
satze ausgehend, daß die fertige Arbeit das Zeichen der Hand ihres Erzeu- 
gers an sich tragen soll ä jenes Zeichen, durch welches sie sich von der 
langweiligen Vollkommenheit der maschinenmäßig erzeugten Dutzendarbeit 
unterscheidet -- ließen sie manchmal Gegenstände aus wertvollem Material 
in geradezu roh primitivem Zustand. Man merkte die Absicht und ward ver- 
stimmt. Die Spuren des I-Iammerschlages waren so auffällig, daß sie störend 
wirkten. Mit wenig Mühe wäre dem abzuhelfen gewesen. Im blinden Stolz 
der Überschätzung des Wertes ihrer Handarbeit glaubten Ramsden und 
Carr aber den Prinzipien wahrer Kunst gerecht geworden zu sein. Ebenso 
roh war manchmal die Emailverzierung und die Form schwerfällig und zu 
massig. Auch litten die bei- 
den an ungenügender Kennt- 
nis des Formenschatzes der 
großen Kulturperioden. 
Heute haben Ramsden 
und Carr diese Kinderkrank- 
heiten überstanden. Erfah- 
rung hat sie gelehrt, daß eine 
bedeutend feinere Ausfüh- 
rung mit dem Grundsatze, 
daß das Kennzeichen der 
Hand und des Werkzeuges 
die schönste Zier bildet, 
keineswegs in Widerspruch 
steht. Ihr Forrnensinn hat 
SlCh gewaltigausgebildet und Oma: Ramsden und Alwyn Carr, Biskuitdose aus Silber 
 

	        
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