MAK

Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 3)

Denn es sei kein 
Ding an sich, son- 
dern erhalte sein 
volles Selbst erst 
durch die Einwir- 
kung seiner ganzen Q 
Umwelt. DerI-Iinter- 
grund, die umge- 
bende Luft, das ein- 
fallende Licht, die 
benachbarten Ge- 
genstände und ihre 
Farben, der Seh- 
winkel und die Ent- 
fernung des Be- 
schauers, all das 
vereinige sich zu 
einem Gesamtein- 
druck des Werkes, 
den unser erster 
Blick voll erfaßt und 
dem Gehirn restlos 
zuführt. Daher bietet 
eine R0sso-Ausstel- 
lung einen unge- 
wohnten Anblick. 
Da gibt es keine 
Ecken voll Blatt- 
pflanzen, deren Grün 
durch Reflex eine 
falsche Note in die 
benachbarten Wer- 
ke bringen würde. 
Keine farbigen Teppiche und Tücher drapieren die Gestelle, auf denen die 
Plastiken stehen, jede in einem viereckigen gläsernen Käfig, der in einem 
bestimmten Winkel zum Beschauer steht und von einem oder zwei Glüh- 
lichtern von der richtigen Seite her beleuchtet wird. Die Sehbedingungen 
für jedes Werk sind unverrückbar fixiert; so und nicht anders kann und muß 
es wirken; es darf nicht anders wirken. Das ist der Kolorismus Rossos, der 
übrigens auch als Patiniermeister seinesgleichen sucht, wie er denn Alles 
eigenhändig macht und keinem anderen das Gießen seiner Werke anver- 
trauen würde. 
Diese Virtuosität in allem, was zur Technik gehört, ist die solide 
Grundlage. auf der er seine Leistungen leistet, die ebenso „atmosphärisch" 
Medardo Rosso, Motiv aus dem Omnibus, 1883-1884
	        

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