MAK

Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 5 und 6)

Hamburger Kunsthalle ge- 
liehene Bild der Polo-Spieler 
voll vehementer Bewegung. 
Volkmann, der Karlsruher, 
malt reifendes Korn in zarten 
Tönen, rhythmisch schwin- 
gend und im Hintergrund 
breitensich schachbrettartig 
gefeldert bunte Saaten- 
striche über Abhänge. Voll 
strotzender Fülle, farben- 
saftig sind Heinrich Zügels 
animalische Ensembles, die 
Schweine am Waldbach 
und der Kälbergarten. 
Als blendender Sonnen- 
maler zeigt sich Otto Hett- 
ner, er ist ein Virtuose 
des flammenden Gelb. Seine 
südlichen Bilder, italieni- 
sche Veranden mit Land- 
Maschgnstgckerdu, schaftsblicken glühen gleich 
heißen Orangenwäldern. 
Eine Gruppe von Bildern reizt durch die Nuanciertheit und Delikatesse des 
Geschmacks. lnterieure und Stilleben sind es zumeist. Heinrich und Ulrich Hübner ent- 
zücken durch die erlesenen Raumstimmungen in weich abgetönten Farben. Und wie von 
der „Paysage intime" kann man auch von solchen Interieuren sagen, daß sie „etats 
d'äme" sind. Voll artistischer Feinschmeckerei ist auch Karl Molls Interieur. Es zeigt 
Wiener Note in seinen weißen Tönen, seinen geradlinigen Möbel-Formen, die pikant 
belebt werden durch die pittoresken Farben und die bizarren Formationen exotischen 
Bric-a-Brac. 
Eine ganz andere Welt gibt das schwedische Interieur von Heine Rath: hellrote 
Holzwände, geblümtes Sopha, weiße Fensterrahmen und durch sie hindurchleuchtend 
die lichte nordische Nacht. Hier ist eine aparte Mischung von Phantastischem und Primi- 
tivem künstlerisch erreicht. 
Stilleben brachten Robert Breyer, sehr delikate graubraune japanische Keramik; 
Ulrich Hühner, lila Glycinien in buntfarbiger Fayencevase, und Kurt Hermann, dessen 
hauchzartes von Sonnenstrahlen durchspieltes Glas besonders schön ist. 
Eine Wandeldekoration zu einer elysäischen Pantomime bildet der Ludwig von 
Hofmann-Zyklus. Sonnenglück-Idylle stellt er dar in immer neuen Variationen hell 
schimmernder Töne; blühende Ufer von Traumländern ziehen vorüber; auf geblümter 
Wiese schlingt sich ein Reigen tanzender Mänaden; das goldene Zeitalter kommt auf 
purpurner Wolke zur Erde hemieder: sieh, es lacht die Au. Die Landschaft, das Ufer, 
die Blumengelände singen und klingen bei Hofmann, er ist wahrhaftig ein Sonnensohn. 
Aber seine Gestalten haben etwas von Figurinen, sie sind Kostümträger, und selbst wenn 
sie nackt sind, tragen sie ihre Nacktheit wie ein Kostüm. Ohne Staffage hätten diese Bilder 
größere Kraft des Lebenshymnus. Ludwig von Hofmann ward mehr Gesang und Melodie 
als Gestaltung. 
Ein Saal führt gesammelt das Schaffen des Schweizers Ferdinand I-Iodler vor. Man 
trifft hier manches wieder, was man von der vorjährigen Düsseldorfer Ausstellung kennt. 
l-lodlers malerische Sprache ist voll primitiver Urlaute. Seine Gefühle und Vor- 
stellungen stammen aus dem ersten Kapitel der Genesis. Seine menschlichen Formen sind 

	        

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