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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 5 und 6)

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rativ. Klimt hat Bäume ge- 
malt, Buchen, Birnen-, Apfel- 
bäume, aber sie sind nicht 
aus der I-Iand der Natur, sie 
sind stilisiert und wirken 
wie Stoffmusterung für kost- 
bare Materiale, für geschnit- 
tenen und durchwirkten 
Sammet- und Goldbrokat. 
Es gibt in dieser Aus- 
stellung noch andere solcher 
Art verwandte dekorative 
Temperamente. Da ist vor 
allem der Münchener Strath- 
mann. Sein großes Salome- 
Tableau gleicht einer byzanti- 
nischen Mosaikplatte. Grün- 
goldener Schmelz flimmert 
von den Gewändern. ]uwelen- 
und Perleninkrustation sprüht 
farbige Reilexe über den 
nackten Körper der Tänzerin. 
Und aus dem dekorativen 
Ensemble hebt sich die 
scharfe Charakteristik der 
gierigen Köpfe entarteter 
Menschen an der Schicksals- 
vollen Wende einer Zeit. 
Strathmann ist nicht nur 
malerischer Juwelier und 
Bibelomane, dieser Stilist ver- 
fügt auch über eine außerordentliche Impressionssicherheit. Mit im einzelnen durchaus 
realistischen Mitteln erreicht er Stilwirkungen besonderer Art. 
Einen Münchener Volksauflauf stellt er dar, ein Gewirr von Köpfen in scheckigem 
Durcheinander von verblüffendem realistischen Griff der Typen. Sieht man das Ganze 
aber in Distanz, so ergibt sich aus den bajuvarischen Ingredienzen eine fast japanisch wir- 
kende Flächenrnusterung, das Meer der Köpfe gliedert sich ornamental und darüber zieht 
sich wie ein Craquelenetz die bewegte Verzweigung starrender Baumäste. 
Dekorative Handschrift hat das Bild von Rudolf Riemerschmid „Moosbirken". Mit 
seinem körnigen Grund in Altrosa und den matten graugrünen Tönen erweckt es den 
Anschein einer alten Tapisserie. Graziöses Vignettenspiel liegt über Thomas Theodor 
Heines Bildchen des Mädchens mit dem Reifen und dem bebänderten Schäfchen. Etwas 
leer wirkt des sonst so graziösen Schmuckkünstlers Walser „Pierrot auf der Schloßtreppe" 
vor dekorativer Baumkulisse, und Erlers umfangreiches Triptychon „Johannisnachw ist 
nur eine bengalische Beleuchtung mit billigen Mitteln. 
Schließlich noch einige Worte über die Plastik und die Schwarzweißkunst. 
Nur eine sehr kleine Zahl von Schwarzweißblättern wurde aufgenommen, aber sie 
zeigen, so gering ihre Anzahl, sehr mannigfache Temperamente. 
Großstadtstimmung hat die Kohlenzeichnung Benno Beckers, das in ein düsteres 
Nebelgrau hineinwachsende öde Gerippe eines Neubaues. Grotesken voll skurriler 
Linienphantasien bringen die Federzeichnungen Christophls „Der Hausfreund" und „Die 
Wasserleiche", beide variieren witzig menschlich-tierische Kreuzungen. Eine Radierung 
 
 
Mascbinstickereien
	        

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