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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

auch, wenngleich nur vereinzelt, 
der Übergangsstil in Mähren ein. 
Für eine großzügige Bewegung 
waren diepolitischenVerhältnisse 
zur Zeit nicht eben günstig, die 
böhmischen Thronstreitigkeiten 
nach dem Tode Wladislaw II. 
und der Kirchenbann, den Prze- 
mysl Ottokar I. auf sich und sein 
Reich lud, hinderten die breite 
Entfaltung der Kunst gerade in 
den entscheidenden Jahren vor 
dem Einsetzen der Gothik. Aber 
immerhin weist auch Mähren in 
Trebitsch und Tischnowitz kon- 
struktive und ornamental groß- 
artigeBeispiele deskünstlerischen 
Ringens der Zeit auf, die mit zum 
Besten gehören, was dieseEpoche 
hervorgebracht hat; in Trebitsch 
Schloß Kamm Wendemeppe kreuzen sich rheinische und 
italienische Einflüsse in eigenartiger Weise. Auch die Plastik wurde in der 
spätromanischen Epoche in Mähren gepflegt; das meiste ist freilich bei 
den Umbauten der Kirchen zu Grunde gegangen, aber die überlieferten Reste 
des Schaffens zeigen manch tüchtiges Stück, so an den beiden letztgenannten 
Klosterkirchen, am Olmützer Dorn und an anderen Stellen. Ebenso wurde 
Erzguß und Goldschmiedekunst bereits im XI. Jahrhundert. entwickelt, es 
wird ein Meister Kojata genannt, der kunstvolle Arbeiten in byzantinischer 
Art ausführte. Und die Miniaturen des Obrowitzer Evangeliars und des 
Brünner deutschen Rechtskodex, wie die Wandmalereien der Znaimer Burg- 
kapelle, beweisen die Kunstfertigkeit heimischer und ins Land berufener Maler; 
der Olmützer Dom und Klosterkirchen, wie jene von Tischnowitz, waren 
aufs reichste mit Malereien ausgestattet. 
Unter den letzten Przernysliden von Ottokar I. bis auf Wenzel III. ent- 
wickelt sich aber nicht nur der Burgenbau in neuer glänzender Weise, so in 
Brünn, Znaim, Eichhorn, Buchlau, Frain, Brumow oder an den Sitzen der 
Kirchenfürsten, Dynasten und Ritter, auch Städtewesen und Bürgertum blüht 
im XIII. und XIV. Jahrhundert, wie in Böhmen, mächtig auf. Mährisch- 
Neustadt, Groß-Iglau, Teltsch können hiefür als typische Beispiele gelten, 
das I-Iandwerker- und Zunftwesen wird organisiert, die Stadtgerechtsame 
entwickelt, das Berg-, Münz- und Meilrecht frühzeitig in feste Ordnung ge- 
bracht. 
Die Führung in künstlerischen Dingen, schon längst nicht mehr aus- 
schließlich in den Händen der Geistlichen, wird nun ganz von Laien über- 

	        

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