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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

Ein tüchtiger Wiener Email- 
maler war K. Dachtler, von dem 
das Prager Kunstgewerbemuseum 
eine rückseitig bezeichnete und 1800 
datierte Arbeit besitzt, das Brustbild 
des Grafen Joh. von Montfort, der 
am Hofe des Erzherzogs Albert, 
Generalgouverneurs der Nieder- 
lande, Oberstkämmerer war. Er ist 
gemalt nach dem im kunsthistori- 
schen Hofmuseum hängenden Bilde 
van Dycks. Gerade im Anfange des 
Jahrhunderts waren Kopien nach 
den Bildern des Belvederes und der 
anderen Wiener Galerien sehr be- 
liebt in der Porzellanfabrik wie bei 
den Emailleuren. Auch Bodemer, 
der größte Wiener Emailleur der 
Empirezeit, hat viele dieser Bilder 
kopiert, von denen wir auch in der 
TroppauerAusstenungelnige Stücke Schloßbalkon sitzend. Auf Elfenbein, Französisch, 
hatten (Fürst Karl Max Lichnowski), Anfang des XVIIl. Jahrhunderts. (Alfred Straßer) 
meist in Dosen eingelassen. 
Die früheste Arbeit Bodemers war aus dem Jahre 1808, es gibt aber 
auch bezeichnete Stücke von ihm aus dem Jahre 1801, so das Porträt des 
Malers Maurer und einer Dame, die nach Bodenstein (Hundert Jahre Kunst- 
geschichte Wiens, S. 29) auf Porzellan gemalt sind. 
Eine von Ritter im Kongreßwerk, S. 125, abgebildete Damenminiatur 
von Daffinger aus dem Besitze des Grafen Lanckoronski, von der Alfred 
Straßer eine signierte fast identische Replik besitzt (Troppauer Katalog 224), 
wird in interessanter Weise erklärt durch ein goldmontiertes Email sous fon- 
dant, mit der Bezeichnung „Peint par J. Bodemer 1823" (Kat. Nr. 413), das 
eine Kopie der Sybilla des Domenichino darstellt. Bei den nahen Beziehungen 
zwischen Bodemer und Dafi-inger ist es wahrscheinlich, daß letzterer für sein 
Modell die phantastische Tracht der Sybille wählte, ein Sujet, das damals 
auch in der Porzellanmalerei sehr beliebt war. Herr Straßer (Kat. Nr. 110) 
besitzt eine 1815 in Mantua gemalte Miniatur von Josef Pelizza, das eine 
Sybille des Guercino darstellt und endlich ließ sich (Kat. Nr. 125) die Fürstin 
Arenberg 1840 von Theer in einer sehr effektvollen Miniatur als Sybille malen. 
Drei Altwiener Dosen des Fürsten Lichnowski enthalten in den Deckeln 
je eine Kopie nach einem älteren Bilde, die erste nach der Marie Louise de 
Tassis van Dycks in der Liechtenstein-Galerie (Kat. Nr. 412, datiert 1823), die 
zweite, bereits erwähnte nach einem spanischen oder französischen Damen- 
porträt des XVII. Jahrhunderts (Kat. Nr. 411, datiert 1808, auf der Rückseite) 
 
Frau und Tochter des Marschalls Kleber, auf einem
	        

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