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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

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Englisches Einfriedungslor und Gehtürchen. P. W. 
man mit untrüglicher Sicherheit den immer schweren Weg zu wirklicher 
Erkenntnis und wirklichem Wissen geleitet. 
Riegl muß der oberflächlichen I-Ialbbildung geradezu fürchterlich gewesen 
sein. Um so größer war, wie gesagt, der Genuß für den wirklich geistig 
Ringenden. 
Einige seiner Werke können tatsächlich als Marksteine in der Entwick- 
lung der Kunsterkenntnis angesehen werden. 
Seine „Stilfragen" (Berlin 1893) beschäftigen sich anscheinend fast nur 
mit der allmählichen Entstehung der griechischen Ranke sowie mit ihrer 
späteren naturalistischen und dann wieder abstrakten Umwandlung, in 
Wirklichkeit lassen sie uns aber zur Erkenntnis der Kunst und des mensch- 
liehen Schaffens überhaupt einen vollständig neuen Standpunkt gewinnen. 
Man begreift heute noch das gewaltige Aufsehen, das diesesWerk weit über 
die Grenzen des deutschen Sprachgebietes hinaus erregt hat, selbst wenn 
man heute manche Einzelfrage anders auffassen sollte. 
In diesem Werke ist vor allem der Kampf gegen die materialistische 
Kunstauffassung der Semper-Schule aufgenommen und siegreich durchgeführt 
worden; es ist gezeigt, daß das Kunstwollen, das seelische Bedürfnis nach 
bestimmten Kunstformen das Entscheidende beim künstlerischen Gestalten 
ist und daß dieses Kunstwollen den tiefsten seelischenRegungen des Einzelnen 
sowie ganzer Völker und Zeiten entsprechend sich gestaltet und wandelt. 
Material, Technik und anderes haben natürlich auch Einfiuß; aber das tech- 
nisch oder materiell Gegebene wird doch erst durch das Kunstwollen zur 
Kunstform.
	        

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