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Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

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Walachisches Wohnhaus aus Roinau 
Wiens kaum Notiz und sind falsch berichtet; aber auch die Österreicher 
selbst wissen wie in anderer Hinsicht auch hier nicht, was sie an und in 
ihrem Vaterlande haben. Vor allem kennen auch die Künstler die Geschichte 
der heimischen Kunst nicht. 
S0 konnte es geschehen, daß, als es galt, auf der letzten Pariser Aus- 
stellung das österreichische Repräsentationshaus in einem wienerischen 
historischen Stile zu erbauen und man ganz richtig fühlte, daß der Stil 
Fischers von Erlach etwas für Österreich Charakteristisches sei, ein Bau- 
werk geschaffen wurde in Anlehnung an die Aula, die „man" für ein 
Fischersches Werk hielt, während schon Ilg nachgewiesen hatte, daß sie 
von einem Franzosen, Jadot de Ville Issey, herrühre. So wurde Österreich 
in Paris durch die Kopie einer französischen Wiener Fassade repräsentiert. 
Die Stimme eines einzelnen, die sich in der entscheidenden Kommissions- 
Sitzung dagegen erhob, war zu schwach, um durchzudringen. 
Und wenn wir die Neubearbeitung des in vieler Hinsicht vorzüglichen 
und unentbehrlichen Springerschen Handbuches zur Hand nehmen, so genügt 
eigentlich nur der von Neuwirth bearbeitete zweite Band (Mittelalter) den 
Anforderungen, welche eine ausgleichende, wohl fundierte geschichtliche 
Gerechtigkeit an ein solches Werk zu stellen hat; und auch die von Semrau 
besorgte Neuauflage des Lübkeschen Grundrisses nimmt in dem der Barocke 
gewidmeten Bande wohl Rücksicht auf Fischer von Erlach, Hildebrand, 
Prandauer, Dientzenhofer, Gumpp, aber die italienische Ouvertüre zur großen 
österreichischen Barocksymphonie kommt nicht nach Gebühr zur Geltung 
und die Stimmen der Kronländer treten nicht entsprechend hervor. Ganz 
begreiflich, denn auch Gurlitt konnte ihnen nicht zu ihrem Rechte verhelfen,
	        

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