MAK

Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

fällen die geeigneten Bedingungen 
für eine würdige Unterbringung - 
weil sie eben im naturalistischen 
Garten überhaupt fehlen. In dem 
Bestreben des Bildhauers, durch 
naturalistische Behandlung des Auf- 
baues eine unmögliche Anpassung 
zu erreichen, wo eine betonte Oppo- 
sition allein möglich ist, liegen die 
weiteren Konsequenzen dieser 
ungünstigen Beeinflussung durch 
die Umgebung. Der Widersinn 
steigert sich oft bis zur Parallele 
mit jenen Panoramen, in welchen 
die Malerei in eine Naturnach- 
ahmung aus Papierrnache übergeht. 
Es thront auch im öffentlichen Park 
die Figur im Straßenkleide auf 
künstlichen Felsstücken, die von 
Ranken- und Blattwerk in Bronze 
umgeben sind - neben lebendigen 
grünen Pflanzen und natürlich verwittertem Gestein und lebendigen 
Menschen. Betrachten wir im Gegensatze hiezu die Stellung der Figur im 
italienischen, französischen, englischen Garten, in unseren herrlichen 
Parkanlagen der Barockzeit, so muß die Ursache des unbefriedigenden 
Eindruckes unserer Denkmäler im Grünen klar werden. In einem Fall 
kämpft das Menschenwerk in vergeblicher Konkurrenz mit der Natur - im 
anderen macht sich der Menschengeist mit weiser Berechnung die Natur 
dienstbar - um sie in gesteigerter Vollkommenheit zu genießen. 
Wir brauchen hier wohl nicht besonders zu betonen, daß es sich bei 
Erwähnung fremder oder alter Beispiele nicht um Hinweis auf Vorbilder zur 
Nachahmung handelt. Die glänzenden Bedingungen fürstlicher Prachtent- 
faltung in Garten und Schloß werden nicht wiederkehren. Unsere Zeit stellt 
andere Aufgaben - aber unser Verhältnis zur Natur kann wieder einen 
ähnlichen Grundzug erhalten, wie in den Zeiten architektonischen Auf- 
schwunges. Und wenn wir gezwungen sind, mehr auf Werke später 
Kunstblüte hinzuweisen als auf frühere, so liegt dies in der Vergänglich- 
keit der Gartenkunst. Die früheren Anschauungen sind nur aus bildlichen 
Darstellungen zu entnehmen, wer aber daraufhin die Malereien an Wänden 
und Tafelbildern, die Buchillustrationen bis zu den Miniaturen des Mittel- 
alters zurück verfolgt, wird überall das Vorherrschen des formalen Gartens, 
des architektonischen Gesetzes konstatieren können. Tatsächlich stammen 
ja auch die Motive des architektonischen Gartenschmuckes aus den ältesten 
Perioden der Baukunst und unterlagen im Laufe der Jahrhunderte nur 
 
Englisches Gartenhaus aus Eichenholz mit Sxrohdach. P.W.
	        

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