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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

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für ein Künstlerdenkmal 
der erste Bescheid lau- 
tete: „Wir haben doch 
unsere Parks nicht, da- 
mit Sie Ihre Denkmäler 
hineinstellen". Heute ist 
die Wiener Stadtver- 
waltung wie übrigens 
auch der Landesaus- 
schuß bei wichtigen 
Kunstfragen mit voran, 
und zwar meist im fort- 
schrittlichen Sinne. Das 
neue Denkmal, in der 
linken Ecke des Rathaus- 
parkes, gegen das Rat- 
haus hin, doch von der 
Straße aus nicht sicht- 
bar, ist ein sehr sym- 
pathisches Werk des 
Bildhauers Franz Seifert 
und des Architekten Ro- 
bert Oerley. Es steht auf 
einemKinderspielplatze, 
dessen laubumgrüntes 
Rund durch Aufstellung 
von fünf weißen Garten- 
bänken im ungefähren 
Frühwalzerstil (wie man 
umschreibend datieren 
könnte) eine helle Poin- 
tierung erhalten hat. Es 
besteht aus einer patinierten Bronzegruppe und einem architektonischen Aufbau von 
weißem Marmor, dessen kreissegmentförmige Rückwand den Figuren bis in 
Schulterhöhe als Folie dient. Die Gruppe zeigt die beiden Meister aufrecht, durch 
ein Tabourett (Stockerl) verbunden, auf dem ein Überkleid liegt. Dieses unzeremo- 
niöse Möbel und die dazumalige Tracht stimmen gemütlich zu der ungezwungenen 
Gruppierung. Strauß (besonders gut) steht mit gekreuzten Armen, Geige und Bogen lässig 
in beiden Händen, und hört Lanner zu, der, den Zeigefinger in ein Notenheft geklemmt, 
mit der anderen Hand taktierend, eine Tanzweise zu dudeln scheint. Sie kommen wirklich 
aus dem Leben, wie es war oder sein konnte. Der Realismus, mit dem sie behandelt sind, 
ist nicht übertrieben scharf, sondern geht ins Breitere und Rundliche. Da die Porträts nicht 
nach dem Leben sein können, übergeht ein verallgemeinerndes Element die Form und 
stilisiert sie einigermaßen. Sehr gut wirkt dieses Bronzewesen der Rundhguren im Gegen- 
satz zu dem großen Relieffries, der die ganze Hintergrundwand bedeckt. Ein Walzerfries 
im vollen Schwung, ein paar Dutzend Pärchen, nach vormärzlicher Mode gekleidet, 
falbelfroh und strupfenstramm, im wiegenden Wogen des Tanzes dahingewirbelt. Das flache 
Relief ist sehr geschickt behandelt, so daß innerhalb seiner geringen Höhe das Vor- und 
Hintereinander doch in deutlicher Perspektive fühlbar wird. Bei günstigem Stand der 
Sonne belebt sich die Szene angenehm und bleibt doch diskret genug, um die dunklen 
Erziiguren nicht nervös zu machen. Die ganze Idee hat etwas Unabgedroschenes, es ist 
Einfall darin. Das will schon etwas sagen. Und dann hat der Typus des Werkes etwas 
Franziska Hofrnanninger, Sachet (Stickerei)
	        

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