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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

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sich bereitwillig zu 
Leihgaben ent- 
schloß. Professor 
Kallmorgen und 
HoffmannvonFal- 
lersleb en brachten 
die interessante 
Revue zu stande. 
Sie stellt einer- 
seits eine lehr- 
reiche Reaktion 
auf den etwas ein- 
seitigen Auslands- 
kultus der letzten 
Jahre dar und sie 
kommtgleichzeitig 
der rnodernenNei- 
gung zum Altmo- 
dischen, zu den 
Stilreizen vergan- 
gener Kulturen, 
glücklich entge- 
gen. In dieser 
historischen Bei- 
spielsdemonstration des Naturgefühls im Bilde lassen sich die verschiedenen Tempera- 
mente erkenntnisvoll scheiden und gruppenweise sondern. 
Eine große und wesentliche Rolle spielt, ausgangs des XVIII. und weit ins XIX. Jahr- 
hundert sich erstreckend, die heroische Landschaft. 
Johann Christian Reinhard, der 1847 in Rom starb, steht am Eingang dieser künstle- 
rischen Ahnengalerie. Er kam vor Carstens und vor Koch nach Rom. Seine Bilder, hier 
durch ein Exemplar vertreten, haben den Ton verblaßter Fresken. Er stellt eine Dekoration 
auf, in der charakteristisch alle Requisiten der heroischen Szenerie vertreten sind, der 
Marmorgrabstein mit der Inschrift, die steingefaßte Quelle, die Säule, darauf ein Helm 
steht, dazu die Idyllenmischung von Hirt und Herde. 
Von Reinhard geht die Linie zu Rottmann und Preller. Rottmann schwelgt in 
südlichem Blau, er müht sich, olympischen Frühling, die Gefilde der Seligen, in seinen 
griechischen Landschaften und seinen römischen Tempeln zu spiegeln. 
Preller ist hier sehr reich vertreten mit den Skizzen zu seinem Odyssee-Zyklus und 
die Betrachtung dieser Bilder bestätigt die treffende Charakteristik, die Dr. Gensel in der 
Katalogeinleitung von Prellers Art gibt: „Preller war kein Klassizist im gewöhnlichen 
Sinne, er sah das Klassische mit nordischen Augen und erfüllte es mit deutschem Empfinden. 
Der Geist, der sich von der Erhabenheit der norwegischen Gebirgswelt erschüttern ließ, 
der auf Rügen „Gotteshauch im Sturm fühlte", ist auch in den Felsen, Bäumen und 
Gewässern der Odyssee-Landschaften lebendig." Gerade diese Eigenschaft die Stilpedanten 
bemängeln könnten, gibt den Darstellungen der homerischen Welt einen besonderen 
seelisch-persönlichen Reiz und duchweht das monumentale Pathos des Stoffes mit einem 
heimlicheren Ton aus der Kinder- und Märchenwelt. 
Aus solchem Vergangenheitsboden erwuchs, von stärkerem Lebensatem durchpulst 
und in glühenderer Farbengloria, die Kunst Böcklins, der die heroische Landschaft 
rauschend wiederkehren ließ, und ihre ragende Masse mit der seelischen Stimmungstiefe 
der paysage intime erfüllte, so daß sie nicht mehr wie zu Anbeginn Prospekt und 
Dekoration sondern ein Gefühlserlebnis ward. Als Zeichen solcher Kunst hängt hier, den 
 
Franziska Hofmanninger, Polster (Applikation und Schnurtechnik)
	        

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