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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

Spitzweg fanden, ist die balladeske Romantik, wie 
sie in den Bildern Friedrich Lessings weht. Man 
denkt an den Freischütz und die Wolfsschlucht, an 
die Elementargeister, den Hörselberg und das wilde 
Heer. 
Lessing liebt Ruinen- und Klosterpoesie; Sturm 
und Kampf in zerklüfteten Waldtälern. „Dem Geier 
gleich" schwebt seine Phantasie über den Zacken des 
Gebirges; die Felsen türmen sich ihm zu gespens- 
tischen Kolossen, und jene Vorstellung versteinerten 
Schicksals, wie sie vielen Landschaftssagen, zum 
Beispiel der vom Hans Heiling-Felsen zu grunde 
liegt, scheint diese Bilder befruchtet zu haben. 
Exotische Streifzüge deutscher Kunst beobach- 
tet man in den Werken Eduard I-Iildebrandts und 
I-Ioguets. 
I-Iildebrandts virtuoses Feuerwerk brilliert hier 
in charakteristischen Beispielen. 
Und Hoguet, der mit I-Iildehrandt auf den 
gleichen Pariser Meister, auf Eugene Isabey SChWUf, 
folgt ihm. 
In einer umfangreichen Serie erschließt sich 
die Entwicklung Andreas Achenbachs, des neunzig- 
jährigen Nestors, der in der Zeit der einseitigen 
Italomanie durch seine nordische Kunst, durch seine 
Marinen, Seestürme und Strandstudien ein heilsames 
Gegengewicht bildete. 
Außer ihm sind von lebenden Künstlern in 
dieser Ausstellung noch vertreten Hans Thoma, 
 
Franziska Hofmanninger, 
Die Wäscher -Toni 
der mit seiner lieblichen Streublumenwiese und dem Mägdelein sowie mit der Wunder- 
horn-Landschaft jene früher umschriebene lyrische Romantik fortsetzt; sein Verwandter 
Wilhelm Steinhausen; Gleichen-Rußwurm, der hier in seiner Entwicklung vorn sorg- 
sam ausgepinselten Staffeleibild zu kühnen großzügigen Landschaftsimpressionen, vor 
allem auch in der Radierung, gezeigt wird; Engen Bracht, in dessen Bildern die heroische 
Landschaft fortklingt; schließlich Gustav Schönleber, der mit dekorativem Sinn alte Städte 
und Wasserläufe, traumhafte Spiegelungen und verwachsene Gemäuer ansieht und nach- 
bildet. 
Bei einem Wiederholungsrundgang durch die Schwarzweißabteilung fesseln noch 
einmal Schmutzers souveräne und delikate Radierungen; die mit Dürerscher nachschaffen- 
der Handschrift gegebenen Tierstudien Richard Müllers; die noble Kultur der Blätter 
Friedrichs v. Schennis, der, „antiker Form sich nähernd", hier als ein letzter Nachfahr 
des XVIII. Jahrhunderts erscheint. 
Die „Fetes galantes", verwilderte Parks mit Marmorgöttern, die Ruinen der alten 
Welt, die Elegien der Basreliefs und Sarkophage sind seine Visionen. Die Mythologie 
wird zum Zierat hedonisch-verfeinerten Lebens, und Leda-Motive und das Corps de 
Ballet der Amoretten und Grazien ordnet er wie ein Intendant der Menus plaisirs Louis XV 
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