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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

"Fr" 
 
oder Louis XVI. Erotische 
Feinschmeckerei und raff:- 
nierte Bibliophilie einen sich 
in diesem Künstler zu be- 
sonderer Mischung. Er kul- 
tiviert die Latinität und 
bringt gern Devisen undAuf- 
schritten römischer Dichter 
der späten Zeiten auf das 
Rahmenwerk seiner Dar- 
Stellung. 
An diesem Rahmen- 
werk ziseliert er wie ein 
Meisterjuwelier und seine 
Dekore haben sublimen Ge- 
schmack. Und seine ruhe- 
lose Seele - wie Hans von 
Bülow könnte sich Friedrich 
von Schennis den „chretien 
errant" nennen _ schweift 
ernotionssüchtig zwischen 
dem Rokokoboudoir der 
Amorette ä vingt ans und 
dem Koliseo. Er ist ein Letz- 
ter und in den Barbareien 
der Gegenwart ein wun- 
dervolles und liebenswertes 
Echo du temps passe. 
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ß 1 Die Abteilung für ange- 
Fraxiziska Hofmanninger, In Erwartung wandte Kunst ist jetzt auch 
eröffnet worden. Sie bringt 
eine Reihe Interieure, die sich in geschickter Anlage um ein kleines Gärtchen in bieder- 
meierlichem Almanachstil mit grünem Lattenwerk, weißen Bänken und Kugelbäumchen 
gruppieren. Das gibt einen hübschen dekorativen Ausblick für die zierlichen Fenster- 
anlagen der Zimmer. 
Anmutig ist das Gartenvestibul von Altherr mit seiner frischen heiteren Farben- 
stimmung: Ein Rondell mit Kuppel, von der lampignonartig die Glühbirnen hängen; weiße 
Wände, rotgestrichene Möbel mit hellem Korbgei-lecht. 
Etwas trocken erscheint das benachbarte Wohnstübchen desselben Komponisten. Es 
will etwa die bürgerliche Altweimar-Weise variieren oder Schwindtsche Haus- und Ofen- 
heimlichkeit, doch fehlt, wenn auch ein Spinnrocken auf den Fenstertritt gestellt ist, die 
Innigkeit der Atmosphäre; mehr als Schulbeispiel, mehr Pensumlösung als aus echtem, 
erlebtem Gefühl erwachsen, scheint der Raum. 
Qualität und besitzfrohe Gediegenheit sind dem Zimmer eines jagdfreundes vom 
Freiherrn von I-Iornstein nachzurühmen. 
Ein großer Raum ist wohnlich gegliedert und teilt sich zwanglos in Ecken, Kojen und 
Kaminplätze. 
Vielleicht ist das an sich so sympathische Prinzip, Räume im Raum zu bilden, 
hier sogar etwas übertrieben zu einem die Abgrenzung allzusehr betonenden „Cabinet
	        

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