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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 10)

 
Rudolf Ribarz, Bauernhäuser bei Regenstauf (Bayern), 1898 
Ribarz führte damals ein wahres Bohemien-Leben. Er hatte nicht 
immer genug zu essen, aber immer Pläne und Hoffnungen in Fülle. Er genoß 
jeden Augenblick der Freude im Verkehr mit gleichgestimmten Kollegen 
und war ganz beherrscht von seiner Arbeit. Nur eine kräftige, elastische 
Natur konnte den andauernden Entbehrungen so Widerstand leisten. Gar 
manches Mal hatte er, wenn er des Abends einer Einladung folgte, tags- 
über noch nichts in den Magen bekommen; zum Glück machte ihn seine 
amüsante und temperamentvolle Art des persönlichen Verkehrs zu einem 
gern gesehenen Gast und er fand oft anhängliche und liebevolle Wirte und 
aufopfernde Freunde. Und wenn er auf seine weiten Studienmärsche, bepackt 
mit großen Leinwanden und schwerem Malgerät, auszog, der Sonnenglut 
ausgesetzt oder dem kalten herbstlichen Nebel der holländischen Landschaft, 
die er so sehr liebte - da war meist nicht mehr wie ein Stück Brot und ein 
bescheidenes Stück Käse oder ein Ei zur Stärkung in seiner Tasche vor- 
handen. 
Die Aussichten auf Verkauf seiner Arbeiten waren gering. Er half sich 
wie er konnte. Als er einmal zu einem künstlerischen Freund, mit dem er 
zeitweise zusammen wohnte, melancholisch sagte, „ich kann nur malen, aber 
nicht verkaufen", da erhielt er die scherzhafte Antwort: „Da ich zwar ver- 
kaufen, aber nicht malen kann, so passen wir eigentlich zusammen". 
Ein Pakt war bald geschlossen; Ribarz malte, der Freund unterschrieb und 
verkaufte und der Erlös ward geteilt. 
Mitten in seiner Boheme-Zeit hatte Ribarz das Glück, eine heitere 
Lebensgefährtin zu finden, die Freud und Leid mit ihm teilte und in seltener 
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