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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 10)

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Kunstentwicklung und erst 
in dem seither verflossenen 
Vierteljahrhundert sind die 
Künste des Friedens etwas 
emsiger gepflegt worden. In 
England führte die prära- 
phaelitische Bewegung zu 
einer Gründlichkeit der Me- 
thode, welche bei der jün- 
geren Generation Frucht 
getragen hat. Das Erwa- 
chen der schlummernden 
Mittelklasse in England zu 
einem Verständnis des 
Wertes der Kunst im Heim, 
der Festung des englischen 
Gefühls,hateineRevolution 
in der häuslichen Einrich- 
tung hervorgerufen. 
William Morris, der un- 
ermüdlich schöpfende Ar- 
beiter, ließ es sich nie ver- 
drießen, seinenLandsleuten, 
i welche die von ihm einge- 
_ leitete neue Bewegung mit 
taubem Ohre empfingen, 
die scharfe Wahrheit ein- 
zuhämmem. „Punch", des Engländers Ideal eines humoristischen Blattes, 
ließ das Geschütz plumper Satire auf die ästhetische Bewegung los und 
machte sich über die neuen Ideen lustig, welche die englischen Kunsthand- 
werker anfeuerten, der Wiederholung jener häßlichen Untaten in der Möbel- 
herstellung ein Ende zu machen, mit welcher der geschmacklose Händler 
seinen ebenso geschmacklosen Kunden zufriedenstellte. 
Eine Übergangsperiode liegt zwischen der früh-viktorianischen Zeit 
und dem Jahrhundertwechsel mit seinen gesunden und scheinbar stabilen 
Grundsätzen, welche zu einer bemerkenswerten Produktion ausgezeichneter 
Arbeiten auf allen Gebieten der Kunst und des Kunsthandwerkes geführt 
haben. In dieser Übergangsperiode trat der Sammler in den Vordergrund. 
Die Meisterwerke der alten Möbelkünstler, Sheraton, Chippendale, Adam, 
I-Ieppelwhite und so weiter, lange mißachtet und vergessen, wurden da aus 
Rurnpelkammern und Trödlerläden ans Tageslicht gebracht und mit fast 
übertriebenem Eifer gesammelt. Der Anfang wurde wohl von einer kleinen 
Gruppe künstlerischer und klug voraussehender Vorläufer gemacht, welche 
die auffälligen Mängel des zeitgenössischen Möbelstiles schmerzlich fühlten 
Rudolf Ribarz, Päonienstudie
	        

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