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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 10)

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und im früh-englischen Mo- 
biliar den Genuß fanden, 
den ihnen die ausübenden 
Kunsthandwerker - der 
Ausdruck ist vielleicht zu 
schmeichelhaft -- ver- 
sagten. 
Jedem, der das Wachsen 
des Sammelns beobachtet 
hat, muß es mehr und mehr 
klar geworden sein, daß 
das allgemeine Publikum, 
dessen Ohr das Echo der 
Bewegung aufnimmt, darin 
nur die Möglichkeit mühe- 
losen Gelderwerbes sieht: 
die Gier wird erregt und 
jedermann entpuppt sich 
als Sammler. Der Nach- 
ahmungsgeist des Wettbe- 
werbes lockte jeden Einzel- 
nen gegen seinen Nachbarn 
in die Schranken und was 
die durch den Verkauf von 
alten Möbeln, Porzellan, 
Silber und so weiter erziel- 
ten enormen Preise betrifft, 
stehen die Engländer auf 
demselben Punkte, wo einst die Holländer waren, als diese phlegmatische 
Nation im XVIII. Jahrhundert von der Sammelwut ergrüifen wurde und den 
Kopf über seltene Tulpenzwiebeln verlor, welche an hysterische Wetteiferer 
zu unglaublichen Preisen verkauft wurden. 
Diese übertriebene Lust, alles Alte zu sammeln, nur weil es alt ist, 
die nicht nur bei Sachverständigen, sondern sogar viel häufiger noch bei 
von der vorübergehenden Modelaune des Augenblicks erfaßten Laien an- 
zutreffen ist, hat ihrem Zweck in der Entwicklung des englischen Kunst- 
handwerks gut gedient. Den alten Vorbildern wurde mehr als oberflächliche 
Aufmerksamkeit von Seiten der jungen Kunstarbeiter zu teil, denen gelehrt 
wurde, diese Modelle nicht nur abzuzeichnen, sondern auch nachzuahmen. 
Nun aber ist es an der Zeit, Neues zu schaffen. Die Auktionslokale und 
Antiquitätenhändler haben eine ganze Generation hindurch die Tatkraft der 
Jüngeren aufgebraucht. Nun hat dem Kultus des Alten die Stunde geschlagen. 
Echte Antiquitäten werden allerdings stets ihr Publikum finden; wie wenige 
aber sind jetzt noch aufzutreiben, da ein Vierteljahrhundert lang jeder 
Rudolf Ribarz, Lilienstudie 
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