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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 10)

dieser Statuette mit dem Lorbeerkranz hat Grassi dann größer und auch kleiner 
modelliert, wovon noch verschiedene Ausformungen erhalten sind, ebenso 
wie von einer gleichzeitigen Büste in moderner Tracht. Auf Grassi geht 
wohl auch die herrliche sitzende Biskuitiigur des Kaisers zurück, die mit dem 
Pendant, der sitzenden Kaiserin Maria Theresia, noch in der Silberkammer 
des Pitti erhalten ist und zu den toskanischen Tafelaufsätzen gehörten; sie 
waren bisher ganz unbekannt und werden in dem vom k. k. Österreichischen 
Museum herauszugebenden Prachtwerk abgebildet werden. 
Ein kleines Rätsel bietet eine runde Steingutdose mit dem Reliefbild 
des Kaisers und der Inschrift „S. S. 1792"; sie gehört dem Prager Kunst- 
gewerbemuseum. In Böhmen bestanden 1792 nur die Fabriken zu Rabensgrün 
und Schlaggenwald, doch ist es auf Grund des vorliegenden gedruckten 
Materials über diese Fabriken, des Buches von O. Weber, unmöglich, es mit 
einer derselben in Verbindung zu bringen, da Professor Weber leider nicht 
die Namen der Arbeiter angab. Übrigens befanden sich beide Fabriken 1792 
noch so sehr im Stadium der Versuche, daß wir nicht gut an ein böhmisches 
Steinguterzeugnis denken können. Mehr Wahrscheinlichkeit hat die Ver- 
mutung des I-Iolitscher Ursprungs, wo man seit 1786 auf Kaiser Josephs An- 
ordnung Steingut herstellte und wo auch 1788 Porträte genannt werden 
(Schirek S. 274). 
Eine lehrreiche Ergänzung zu dem bisher genannten Material bot end- 
lich eine reichhaltige Folge von gleichzeitigen Münzen und Medaillen aus 
dem Besitze des Herrn v. Miller-Aichholz. 
KLEINE HNACvVHRICHTEvN-bli 
ERLINER KUNSTCHRONIK. Eine Gruppe schwedischer Künstler hat bei 
Schulte ausgestellt. Sie sind zumeist aus der „Salzseägegend bei Stockholm, aus 
dem Revier der Schären. Und es hat ein besonderes Interesse für den, der den Sommer 
in dieser Landschaft verbrachte, bei der ersten Kunstwanderung, solche Zeichen vertrauten 
Bodens anzutreffen und sie in ihren Zusammenhängen verstehender zu erfassen. 
Die Gegend von Saltsjöbaden und Dufnäs, wo mehrere dieser Maler sitzen, ist von 
besonderer Eigenart der Mischungen. Sie vereinigt Züge des I-Iochgebirges mit idyllischen 
Elementen. Die Küste ist zackig und rissig, Buchten und Vorsprünge wechseln, lang aus- 
greifende I-Ialbinseln springen vor, in den Becken, die sie bilden, schwimmen wieder Inseln. 
Felsblöcke türmen sich, auf ihnen blüht eine merkwürdige Vegetation zierlicher Zwerg- 
bäume von so feiner Struktur, daß man an Japan erinnert wird. Und manches andere noch 
läßt daran denken. Wie die Bestandteile der Landschaft in Saltsjöbaden zu einer Einheit 
zusammengefaßt wurden, das hat ganz japanischen Charakter. 
Ein Komplex zierlicher Felseninseln ist mit hochgeschwungenen Brücken verbunden. 
Die Badehäuser mit ihren grünen Pagodenkuppeln auf einem Inselchen, durch einen Eisen- 
hligransteg und eine schmale felsgesäumte Landzunge mit dem Ufer verbunden, haben 
etwas Omamentales wie die Ansichten l-Iiroshiges, und völlig wie aus einem Holzschnitt 
Utamaros genommen wirkt die rote Brücke, die sich niedrig-langgestreckt mit hölzemem 
Querleistenwerk über einen Wasserspiegel spannt.
	        

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