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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

sie erst spät in die I-Ielenakirche von Wei- 
kersdorf gelangte und möglicherweise über 
200 Jahre in Privathänden war. Versuche, 
einen solchen Interimsbesitz nachzuweisen, 
führen auf die Familie der Herren von Qua- 
rient, denen die Herrschaften Rauhenstein, 
Weikersdorf und Rohr zugehörten. Ist es 
richtig, daß ein Quarient die Tafel in die 
St. I-Ielenakirche stiftete, so wäre ]ohann 
von Quarient, Obristlieutenant der Stadt- 
Guardia zu Wien, jenes Mitglied der Familie, 
welches nach 1563 in den Besitz der Tafel 
gelangte. 
Erzherzog Ferdinand wiederholte am 
5. Dezember 1527 das bereits in der Hand- 
werksordnung vom Jahre 1431 aufgenom- 
mene Verbot: „Es sol hinfuran kain maister 
den schilt Österreich und sein march stechen 
Rache}, angeblich vom St stephamhofen oder schneiden auf ander hafenwerch dann 
(sx. Sebastian). vor 150a. Österreichisches allein auf eisen dachtein."DieseBestimmung 
M""""' H" Km" "nd Immsm" kam somit dem schwarzen Geschirr, welches 
ein Hauptprodukt unserer Hafner bildete, zu gute. Das Material gab ein stark 
mit Graphit gemischter Ton, wodurch die in solcher Weise erzeugten Gefäße 
an Festigkeit gewannen und sowohl hinsichtlich der Dauerhaftigkeit als auch 
dem äußeren Ansehen nach einen Vergleich mit Eisengeschirr zuließen. Daher 
die Bezeichnung „Eisentahen" (Eisenton) für das Material, die Bezeichnung 
„EisenhaffneW für die Erzeuger. Graphit konnte als Einlagerung in anderen 
Mineralien aus diesen gewonnen werden. Daneben fand er sich aber auch 
in reinen Nestern bei Passau (Passauer Tiegel, Hafnerzeller Schmelztiegel), 
in Salzburg und Böhmen (Schwarzhafner). Künstlich konnte er außerdem 
beim Eisenhüttenprozeß als Ausscheidung aus dem Roheisen gewonnen 
werden, indem sich Kohlenstoff aus diesem in der Schmelze löst und beim 
Erstarren teilweise als Graphit wieder abscheidet. Diese künstliche Her- 
stellung des Graphits in den Eisenhütten rechtfertigt ebenfalls die Bezeich- 
nung „Eisenton" für das verwendete Material. 
Die Erzeugnisse unserer Hafner entsprachen in Form und Größe den 
verschiedenen Bedürfnissen. Neben den großen Häfen und Vorratsgefäßen 
mit weiter, oft mehr als einen Meter im Durchmesser haltender Mündung, mit 
mächtigem, in der Regel umgekrämptem Mündungsrand und doppeltem 
Henkel zur Aufnahme von Flüssigkeiten jeder Art wurden auch kleinere 
Krüge, Becher und anderes gefertigt. Ein früher, noch mittelalterlicher, in 
Gestalt eines Kelches ausgeführter Trinkbecher aus Eisenton wird hier 
abgebildet. Wenn Merian das Hafnerzeller Eisengeschirr als „schön Geschirr" 
bezeichnet, hatte er nicht nur die gute Qualität des Materials im Auge, 
 
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