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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

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ihrer Zeit muß immer weiter die Erkenntnis verbreiten, daß gediegene hand- 
werkliche Tüchtigkeit, gefestigte und ausgereifte Lebensformen und innere 
Verwandtschaft der zur Anwendung gelangenden Bauprinzipien nötig sind, um 
das Nebeneinander gleichzeitiger Bauwerke wohltuend erscheinen zu lassen. 
Es muß stets berücksichtigt werden, daß es gerade die Masse der täglich 
vorkommenden, häufig sich wiederholenden Aufgaben ist, welche dem Bau- 
wesen einer Zeit den Stempel aufdrücken und daß die bisher so oft heraus- 
gegriffenen besonderen Einzelleistungen ohne die große Masse der guten 
Durchschnittsarbeiten unmöglich gewesen wären. Das Niveau dieses Durch- 
schnittes zu heben, kann aber nicht das alleinige Ziel des Künstlers bleiben. 
Er bedarf der Mitwirkung großer, weiter Kreise und für diese ist das Ver- 
gleichen einheitlicher, alter Bauwerke mit Rücksicht auf die Baugesinnung 
ganzer Epochen von Wert. Nur möge nie dabei vergessen werden, daß keine 
künstlerische Tätigkeit so sehr von den Bedingungen des täglichen Lebens 
abhängig bleibt wie die Baukunst, und daß es die erste und dringendste Pflicht 
dieser Kunst ist, gerade für diese zeitlichen Bedingungen die künstlerische 
Ausdrucksform zu finden. Nie kann eine Zeit eine Kunsttätigkeit vergangener 
Epochen für sich unmittelbar verwerten. In dem Weiterschreiten vom Abge- 
schlossenen zum Neu-Entwicklungsfähigen, das aus der Vergangenheit die 
Erfahrung, aus der Gegenwart die Impulse holt, liegt aller Gewinn. 
SELTENHEITEN IN SIGILLATA 51b VON 
ANTON C. KISA-GODESBERG S0 
AS römische Kunsthandwerk ist nur auf zwei Ge- 
bieten schöpferisch aufgetreten, auf dem der 
Glasindustrie und der Keramik. Es hat die be- 
malten griechischen Tonvasen durch Gefäße 
aus einem eigentümlich schönen und soliden 
Stoffe ersetzt, welcher unter der nicht antiken, 
aber allgemein angenommenen Bezeichnung 
„terra sigillata" über das ganze Gebiet des Welt- 
reiches verbreitet ist. Abgesehen von einzelnen 
Funden an verschiedenen Orten Italiens, die 
in das II. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, 
ließ sich eine größere, fabriksmäßige Herstellung roter Tonware um die 
Wende zum I. Jahrhundert in Arezzo feststellen, welche massenhaft nach 
Afrika, Spanien, nach dem narbonnensischen Gallien, in geringeren Mengen 
nach Kleinasien und den griechischen Inseln verbreitet, auch in diesen 
Ländern den Fabriksbetrieb begründete. Südgallische Ware kam später 
nach Belgien, an den Rhein, nach Britannien und Germanien und ließ 
auch dort zu Ende des I. und im II. Jahrhundert n. Chr. diese römische 
Nationalindustrie, mit einheimischen Elementen vermischt, aufleben. Das 

	        

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