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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

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geformten Teller, Urnen und Becher gehen auf keltische Formen zurück, 
sind durchweg von einheimischen Galliern hergestellt und mit poliertem Ruß 
gefärbt. Man nennt diese schieferfarbige Ware, welche wie die Sigillata 
gewöhnlich mit Fabriksstempeln versehen ist, „terra nigra". 
Die malerische Dekoration der Griechen ist in der römischen Keramik 
fast allgemein durch die plastische ersetzt. Reliefs in Streifen, Medaillons 
und Einzelfeldern verschiedener Form schmücken die meist halbkugelig 
nach oben erweiterten Sigillataschalen. Sie sind durch Negativformen aus 
weißem feuerfesten Ton gewonnen, in welche man, solange sie noch weich 
waren, von innen Model mit Reliefs eingedrückt hatte. Beiden oben erweiter- 
ten Gefäßen besteht die Form aus einem Stücke, da die eingedrückte 
Sigillata beim Trocknen schwand, das heißt sich zusammenzog und so ohne 
Schaden aus der Formschale herausgenommen werden konnte. Bei Gefäßen, 
die sich nach oben verengten oder komplizierte Profile hatten, benützte 
man Hohlformen aus zwei oder mehreren Teilen. Bei anderen wurden die 
Reliefverzierungen auf weiche Sigillataplättchen aufgedrückt, zum Beispiel 
Medaillons, und diese auf das glatte mit der Drehscheibe hergestellte Gefäß 
befestigt. Auch durch Barbotine, das heißt durch Aufguß flüssigen Ton- 
schlammes wurden Reliefs von Ranken, Tropfen, Perlenstäben, Gittermustern, 
Blättern, tierischen und menschlichen Figuren, besonders Jagden auf Rehe 
und Hasen, hergestellt. Gewöhnlich herrschte Einfarbigkeit. Ein gleich- 
mäßiger, mattglänzender roter Firnis überzog den Grund und die Reliefs; 
bei den Bechern mit jagdszenen sowie Trinkbechern trat an seine Stelle 
manchmal im belgischen Gallien und am Rhein ein metallisch reflektierender 
dunkelbrauner Überzug, auf welchem dann noch Weinranken, Namen und 
Devisen in weißer und orangegelber Farbe aufgemalt wurden. Auch auf der 
hellroten belgischen Ware Findet man weißes Rankenwerk und Sinnsprüche, 
die zum Trinken und Lieben auffordern. Eine andere Verzierungsart, der 
Kerbschnitt, diente, wie in der Glasindustrie, durch Anreihung linsenförmiger 
Vertiefungen zur Herstellung von Rosetten, Ähren und Blattgewinden. 
Unsere Kenntnis der römischen Keramik, über welche so lange 
undurchdringliches Dunkel schwebte, ist in neuerer Zeit durch die archäo- 
logische Forschung am Rhein, namentlich von Seite Lindenschmits, 
Könens, Schumachers und Dragendorffs historisch und technisch sehr 
gefördert worden. Letzterer hat sich insbesondere mit der Sigillata 
beschäftigt, die Ergebnisse seiner 1896 erschienenen Hauptarbeit)" jedoch 
in wichtigen Punkten durch zahlreiche spätere Nachträge und Berich- 
tigungen wieder aufgehoben, so daß eine abschließende Darstellung leider 
immer noch fehlt. 
Zu den unerwiesenen Behauptungen dieser Abhandlung gehört die, 
daß größere Sigillaten immer auf der Außenseite, niemals innen dekoriert 
gewesen seien. Bei der Bearbeitung eines umfangreicheren wissenschaftlichen 
Stoffes gilt es ja, die einzelnen Erscheinungen zu gruppieren, die analogen 
"' Bonner jahrbuch güfgy, S. 18 B".
	        

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