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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

den Calener- und auch in den sogenannten Euripides-Schalen etwas Ähn- 
liches vorlag? Daß diese von den Römern in anderen Tonsorten nach- 
gebildet wurden, zeigen die modenesischen Schalen mit Gemmenabdrücken 
und die Teller von Orbetello. Die Keramiker folgten dabei den von Toreuten 
gegebenen Mustern. Im letzten Jahrhundert v. Chr. waren in Alexandrien 
die Prachtgefäße des Hildesheimer Silberfundes und des Schatzes von 
Bosco Reale geschaffen worden, zu deren besten Stücken gerade Schalen 
mit hochgetriebenen Emblemen im Innern gehören. Die Nachbildung 
solcher Prunkstücke in billigerem Material, in Bronze, Glas, Ton, bildete eine 
Hauptaufgabe des römischen Kunsthandwerkes, dessen Fortschritt, wie der 
des Kunsthandwerkes zu allen Zeiten, häufig auf der Imitation eines Materials 
durch ein anderes, oder mit anderen Worten, auf der größtmöglichen Aus- 
nützung aller Eigenschaften eines Materials beruhte. Daß die feineren 
Sigillaten Kopien kostbarer Silber- oder Bronzegefäße waren, ist in vielen 
Fällen nachgewiesen, so zum Beispiel bei den Siegesbechern; weshalb 
sollten die Sigillata-Fabrikanten gerade bei der Nachbildung der Metall- 
schalen mit Innenreliefs halt gemacht haben? Technische Schwierigkeiten 
kamen ja durchaus nicht in Betracht. 
Außer der kleinen, leicht übersehbaren Frankfurter Scherbe kommen 
hier zwei wohlerhaltene reliefierte Schalen in Betracht, welche schon vom 
ikonographischen Standpunkt aus das Interesse des Archäologen fesseln." - 
Die eine hat einen bevorzugten Platz im Museum der Diocletians- 
Thermen in Rom und ist schon von Visconti (bull. munic. 1873, S. x17 f., 
Tafel III 2, 3) und danach von Cumont (mon. de Mithra, S. 247, N0. 89, 
suppl. S. 485) veröffentlicht. Sie ist eine ziemlich tiefgerundete fußlose 
Patera von 21 Zentimeter Durchmesser aus feiner hellroter Sigillata, die nicht 
glasiert sondern nur poliert ist, mit scharf profiliertem Rande und einer 
leichten kreisrunden Vertiefung in der Mitte der Innenseite. Zwischen 
dieser - teilweise in sie einschneidend - und dem Rande ist das Relief- 
bild des stiertötenden Mithras angebracht, ihm entgegengesetzt die Szene, 
wie Mithras den Stier an den Hinterbeinen gefaßt hat und auf seinen 
Schultern fortträgt, dazwischen im rechten Winkel zu beiden die Figur 
eines nach rechts schreitenden Hundes mit einer Perlenkette um den Hals. 
Zur Herstellung dieser Innenreliefs konnte man nicht eine I-Iohlform aus 
einem Stücke verwenden, da das Bild beim Schwinden des Tones nicht gut 
herausgekommen wäre. Man benützte an ihrer Stelle drei Einzelstempel, 
die man um so leichter nebeneinander setzen konnte, als ja die Szene nicht 
zusammenhing. Die Schale wurde in den Sechzigerjahren in Civita Lavinia, 
wahrscheinlich an der früheren Stätte eines Mithräums, mit Resten andererTon- 
' Dragendori hat sie nachträglich, indirekt durch mich auf sie aufmerksam gemacht, in einer seiner 
zahlreichen Berichtigungen erwähnt und sein Versäumnis damit entschuldigt, daß er die Echtheit der Orpheus- 
Schale angezweifelt habe. Dabei hat er aber die Notiz bei Cumont, rnon. de Mithra, supplement 485 übersehen 
und hält die im Museum Diocletianum befindliche Schale und die von Visconti und Cumont veröEentlichte für 
zwei verschiedene Stücke, während sie tatsächlich identisch sind. Den Irrtum Viscontis, beziehungsweise der 
kleinen Tiergestalt hat Cumont berichtigt.
	        

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