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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

BEITRÄGE ZUR ÄLTEREN GESCHICHTE DES 
HAFNERGEWERBES IN WIEN UND NIEDER- 
OSTERREICH 51b VON ALFRED V. WALCHER- 
EN Sie 
AFNER zählen zu den ältesten Handwerkern. 
Eine Herstellung von Gefäßen aus Ton hat 
schon vor dem ersten Eindringen der Kultur 
überall stattgefunden und war den Pfahlbautern 
ebenso bekannt wie die Kenntnis, aus Weiden- 
ruten Körbe und aus Stroh Matten zu flechten. 
Damals war sie wohl einem jeden geläufig. 
Als eigentliches Gewerbe, als ausschließliche 
Beschäftigung einzelner Personen erscheint die 
Erzeugung von Tongefäßen in unseren Län- 
dern erst zu den Zeiten römischer Herrschaft. 
Im Mittelalter wird das Wiener Hafnergewerbe zuerst in Ottokars öster- 
reichischer Reimchronik, deren Verfassung jedenfalls vor x3x7 erfolgte, 
genannt. Kapitel CXIV der Chronik erwähnt bei Schilderung des Aufstandes 
des Wiener Pöbels zu Beginn des Jahres 1288 das Darniederliegen der ge- 
samten gewerblichen Tätigkeit und nennt unter den Handwerkern auch jene, 
„die da dränt aus Tahen Heven und Chrug". Damals gab es in der Stadt 
schon fast ein halbes Hundert gewerblicher Vereinigungen, was nicht wun- 
dern darf, wenn von der Bevölkerung Wiens gesagt wird: „das groessist 
volk, das Wienne hat, das sind handwerkaere". Ein lokaler und sozialer 
Zusammenschluß des Handwerks muß bereits im ersten Drittel des 
XIV. Jahrhunderts stattgefunden haben. Die Bezeichnungen einzelner 
Straßen nach dem Gewerbe, wie „unter den Hafnern" (urkundlich zuerst 
1333 genannt) deuten darauf hin, daß dem Handwerk ein bestimmter, hin- 
sichtlich seiner Grenzen ziemlich kleiner Stadtteil zur Ausübung des Berufes 
angewiesen wurde. Daß dieser hart an die Donau gerückt, im tiefsten Teil 
der Stadt gelegen war, ist beim Fehlen benachbarter Tonlager nur durch 
die Unreinlichkeit des Betriebes erklärlich und findet eine Bestätigung im 
nahegelegenen „Sauwinkel", dem späteren Auwinkel, wo ebenfalls mehrere 
Hafnerhäuser standen. 
Für den sozialen Zusammenschluß des Handwerks spricht die bald 
nach 133d erfolgte Errichtung eines Hafnerbades. Wolfgang Lazius erwähnt 
es in seiner 1546 erschienenen lateinischen Monographie „Vienna Austriae". 
Es lag in der Haffnergasse, auf der Muster. Neben dem normalen Lohne 
bekamen die Hafnergesellen, denen die schwereren, unreinen Arbeiten des 
Tonmischens und -knetens in der Werkstätte zulielen, wöchentlich ein 
Badgeld. Erster Eigentümer des Hafnerbades war 1335 Hainrich „der pader 
under den Hafenem ze Wienne". Es bestand bis zum Jahre 1720 im 
Hause 714 (neu Nr. 3) der I-Iafnergasse. Als letzter Besitzer erscheint von 
 
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