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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

zu verwischen, die Prinzipien feststehender Organismen auch auf bewegliche 
Objekte zu übertragen. Warum aber die leicht gebogenen Rippen der Decken, 
die Nieten und Schraubenköpfe, die notwendigen Stützen der mittleren 
Längsrippen in ein Kleid stecken, das gar nicht dazu paßt? Sie sind, ist ihre 
technische Ausführung einwandfrei, nicht um Haaresbreite weniger schön 
als irgendwelche mit ihnen in Verbindung gebrachten Stilgebilde, wie Profile, 
Kapitelle etc. Schwierig freilich ist die Geschichte dann, wenn, wie im vor- 
liegenden Falle, die künstlerische Mitarbeiterschaft erst in Frage kommt zu 
einer Zeit, wo die konstruktiven Teile samt und sonders montiert sind, und 
zwar in der Voraussicht, daß ein verhüllendes Gewand die nicht ganz 
einwandfreien Stellen decke. So mußte zum Beispiel über die Verbindung 
zwischen eiserner Stütze und Längsrippen ein Glied gelegt werden, das die 
darunter befindliche, durchaus unschöne Kapitellform der Stütze unsichtbar 
werden ließ, dabei aber doch im Sinne einer die Horizontale mit der Ver- 
tikalen bindenden Erscheinung gehalten war. Ebenso mußte an der Wand 
ein Aufnahmeglied für die Querträger geschaffen werden, die man bei der 
früher üblichen Verschalungsweise auf Konsolen aufliegen ließ, während sie 
doch eigentlich mehr im Sinne einer Verspannung zwischen Spanten (Wand- 
rippen) und Deckbalken aufzufassen sind. Das Bekleiden der sphärisch ge- 
bogenen Wände mit Getäfel, das durch Pilaster oder Säulen geteilt erscheint, 
kam selbstverständlicherweise in Wegfall. Eine solche Wandgliederung 
widerspricht dem Wesen der Schiffswand durchaus, denn sie überträgt Mo- 
tive, die allenfalls bei der senkrecht feststehenden Mauer anwendbar sind, 
fälschlicherweise auf gekrümmte Flächen. 
Die Wände werden also, wo nicht durch bestimmte Rücksichten kon- 
struktiver Art es anders geboten erschien, frei von allem überflüssigen Leis- 
tenwerk gehalten. Das gleiche Prinzip natürlich hatte dann überall zu gelten. 
Dafür wurde die Farbe als wesentlicher Wirkungsfaktor in Betracht gezogen. 
In dem großen Speisesaal sind Wände und Decke weiß mit sehr wenig Gold, 
der Boden tief, leuchtend rot, die Möbel (Stühle, Tische, Sofas, Büfett und 
so weiter) in sehr lichtgelbem Birnbaumholz (Intarsien darauf graugrün ge- 
heizte Esche) ausgeführt,Beleuchtungskörper in matt grünlichgelbem Messing, 
die daneben liegenden Damen- und Rauchsalons dagegen zeigen (ersterer) 
dunkelblauschwarzen Boden, lichtgehaltene Mahagonimöbel und glatte Ver- 
täfelung in gleichem Holz mit leichtgetönten Eschenholzeinlagen, Wände in 
crernefarbenem Linoleumbelag und gleichfarbige Decke. Die Möbelbezüge 
sind in einem warm hellgrauen Velvet gehalten, Beleuchtungskörper in hell- 
gelb Glanzmessing. Der gegenüberliegende Rauchsalon hat tiefbraun getön- 
ten Boden, Möbel und Wandvertäfelung (bis Fensterhöhe) in Vogelahorn 
mit Einlagen und Einfassung in grauer Wassereiche, Linoleum-Wandbe- 
lag in hell graugrünem Anstrich, Decke weiß, Möbelbezüge in Grau-Violett. 
Das Treppenhaus, das vom Deck zu diesem Raume führt, sowie der Vorplatz, 
auf den die Türen der einzelnen Gelasse münden, sind in kräftigen Farben 
gehalten: dunkel graublaues Rahmenwerk mit gebrochen grünen Füllungen, 
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