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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

ANON-DENKMAL. Am 27. Oktober wurde unter entsprechender Feierlichkeit 
das Denkmal Hans Canons, von Rudolf Weyr, enthüllt. Wieder eines in der Reihe 
jener Künstlerdenkmäler, zu denen das Schindler-Denkmal den Anstoß gegeben hat. An 
der Spitze des Komitees stand Exzellenz Graf Hans Wilczek d. Ä., bekanntlich zu Canons 
Lebzeiten dessen hochherziger Förderer. Das Denkmal steht in jener Stadtparkecke, die 
der verlängerten Johannesgasse zugewendet ist, und zwar in einer Einbuchtung des 
hohen Eisengitters, so daß es von der Straße aus zu sehen ist. Auf hellem Steinsockel, 
der vorne bloß den Namen „Canon" trägt, steht die lebenstreue Figur des Künstlers in dem 
Kostüm, in dem man ihn so viele jahre gesehen: Pluderhosen, Gürtel, hohe Schaftstiefel. 
Die rechte Hand ist leicht in den Gürtel eingehängt, die linke in die Hosentasche. Es ist 
eine Porträtfigur von jenem bürgerlichen Realismus der Siebzigerjahre, der heute nicht 
mehr als denkmalmäßig angesehen wird. Wir sind durch Meunier, Rodin, Bartholome, 
Klinger, auch Metzner und Hugo Lederer so nachdrücklich auf den Stil hingewiesen, daß die 
frühere Art uns nicht mehr sonderlich anregt. In weiteren Kreisen des Publikums findet 
das Denkmal eben wegen seiner Genreeigenschaften Beifall. Immerhin hätte auch innerhalb 
dieser Grenzen Weyr den derben Kraftmenschen, der ja Canon war, durch charakte- 
ristische Gebärde, aber auch in der plastischen Durchführung deutlicher kennzeichnen 
sollen. Das Veredlungsverfahren hat das Modell um seine innere Ähnlichkeit gebracht. 
ORDON CRAIG. In der Galerie Miethke sah man kürzlich eine interessante Aus- 
stellung von kostümlichen und szenischen Entwürfen Edward Gordon Craigs. Er ist 
der Sohn der berühmten englischen Schauspielerin Ellen Terry (x872 geboren) und eines 
sehr für Szenenkunst interessierten Architekten. Er war anfangs Schauspieler an Henry 
Irvings Theater, fühlte sich aber durch die im Elternhause verkehrenden Präratfaeliten und 
ihre Deszendenten zu etwas anderem angeregt. Er lernte irgendwie zeichnen und klecksen 
und notierte seine szenischen Träume, bis er richtig dazukam, Opern, Pantomimen, 
Shakespeare und sogar Ibsen, schließlich in Berlin, wohin er xgoo berufen wurde, Hof- 
mannsthal („Elektra" und „Befreites Venedig") zu szenieren. Er ist ohne Zweifel ein her- 
vorragendes Regietalent; vielleicht könnte man sagen, ein Szeneriegenie, in dem auch ein 
origineller Kostümschneider steckt. Seine Theaterstellung in Berlin dauerte leider nicht 
lange genug, um volle Früchte zu reifen, sein autokratisches Wesen paßte nicht zu seinem 
Direktor. Er hat seine besonderen Ideen von besonderen Bühnenmöglichkeiten. Von einer 
Bühne, wie sie ein Allregisseur träumt, der sogar den Dichter nur als seinen, aufs Stich- 
wort einspringenden Mitarbeiter gelten läßt; ganz wie den Schneider, Musiker und Lam- 
pisten. Er arbeitet auf eine Bühne hin, die ein Bühnenwerk mit allen Arten von Stimmungs- 
mitteln im Regiewege zu stande bringen soll. Vom Raum, von der Farbe und von der Be- 
wegung aus. Farbige, bewegte Raumdichtungen also, in denen allenfalls auch das Ohr nach 
Bedarf beschäftigt wird. Der Sinn des Ganzen wäre Stimmung, in einer spezifischen Weise 
hervorgerufen, freilich aber von der Gefahr bedroht, in eine neuartige Stimmungs- 
Meiningerei auszulaufen. Möglich ist ja die Sache, aber sie kann nur etwas Einmaliges 
bleiben, das von der Person des Erfinders abhängt und mit ihr, oder wenn ihr nichts 
mehr einfällt, verschwinden muß. Gesamtkunstwerk eines eigentümlich organisierten Regie- 
künstlers. Gordon Craig arbeitet jetzt an einem großen Werk über dieses neue Theater. 
Ein Vorläufer ist in Gestalt eines Büchleins bereits erschienen, dessen kühne Grundsätze 
dringend nach beweisenden Tatsachen schreien. Hoffentlich wird dem jungen Kämpfer 
noch Gelegenheit zu solchen Taten. Seine Ausstellung, natürlich schwach besucht, war 
jedenfalls sehenswert. Ein ringender Eigenmann ist stets ein Anblick, den man nicht ver- 
säumen sollte. 
QRISSOFF. Im Künstlerhause sah man im Herbst eine anziehende Ausstellung 
von Bildern aus den nördlichen Polargegenden, von Alexander Sergejewitsch BorissoE. 
Ein Bauernsohn, 1866 im nordrussischen Gouvernement Wologda geboren, half er im
	        

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