MAK

Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 1)

Rundplastik ist er, die von immer 
neuenGesichtswinkeln angeschaut wer- 
den muß. Und zwingend und fordernd 
ist das Haupt, daß man nicht ablassen 
möchte, ihm alle seine Rätsel abzu- 
fragen. Mit gewaltiger Gegenwart 
drängt sie sich unabwendbar auf und 
hat man sich ihm ganz ergeben, dann 
erschrickt man vor dem letzten Wissen, 
das von diesen schmalen Lippen - an 
Ibsen-Lippen mag man denken - 
spricht: Die bittere Erkenntnis Timons 
ist es . . . In Flaums Shakespeare- 
Kopf hat unsere Kunst ihre „Tragische 
Maske" gefunden. 
Zum Schluß ein Wort über eine 
sehr reizvolle und intime Menzel-Publi- 
kation des Verlages von Amsler und 
Ruthard. Er hat eine besonders seltene 
und charakteristische Serie von Zeich- 
nungen in Lichtdruck faksimilieren 
lassen. Reproduktionen von außer- 
ordentlicher Qualität sind es, die im 
Ton die Finessen der Handschrift ver- 
blüifend wiedergeben und Originalillu- 
sionen erwecken. 
Die Bilder selbst und ihr Stoffkreis 
sind voll jener bürgerlichen Anmut und 
Grazie, wie sie mit den Namen Chodo- 
wiecki und Fontane unauflöslich sich 
verbindet, - Musen und Grazien in 
der Mark, Poesie des Philisteriums. 
Man denkt sie sich an heitergeselligen 
Abendstunden an einem runden Fami- 
lientisch aufgenommen, sie gleichen 
jenen behaglichen, etwas geschnörkel- 
tenPlauderepisteln, die Menzel an seine 
Freunde, die nichts mit Kunst zu tun 
hatten, ausruhsam schrieb. 
Aus den Vierzigerjahren stammen 
diese Blätter, auf einer Kleinstadtbühne 
spielen sie, in jauer, in der Familie des 
Kreisgerichtsrates Martini, des Onkels 
Menzels. 
Beschaulich, hausheimlich stellt 
sich die Kleinwelt dar. Am tafelförmi- 
gen Klavier, auf dem die Astrallampe 
mit dem Schieber steht, sitzt einjunges 
Paar, Menzels Schwester, die noch 
lebende Frau Musikditektor Krigar, und 
Altar, geschnitzt von Alois Zwerger, bemalt von j. Adlbart, 
St. Ulrich, Grüden 
sein verstorbener Bruder Richard, scharf geschnitten, mit der Brille, ein Mahlerscher 
Typus. Neben ihnen steht, das Gesicht in der umsäumenden Bartfreese, das I-laupthaar
	        

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