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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 2)

byzantinischen 
Voraussetzungen 
ausgehen mußte, 
recht Selbstän- 
diges geleistet; 
besonders fallen 
hier diehübschen 
Architekturen: 
Basilikenähnliche 
Gebäude, einmal 
mitApsidenchor, 
das anderemal 
mit seitlichem 
sattelbe dachten, 
mehrstöckigen '- (ß AF'_I:. 1:4,: 3m „ 
Ei ngangsvorbau 
. . Weltausstellung in Lüttich Palais de PArt ancien 
auf. Freilich be- ' 
gnügt sich die Darstellung meist mit bloßer Symbolik: eine Stadt wird durch 
ein Haus, ein Wald durch einen Baum, ein Berg durch einen terrassenförmig 
ausgezackten Felsen, der Boden durch mehrere auch noch senkrecht gravierte 
Längswellen angedeutet; nur in der einzigen Darstellung, wo der heilige 
Hadelinus durch Einstoßen seiner Abtkrücke in den Wiesenboden durstigen 
Schnittern einen Quell eröffnet, das Thema also eine Wiese verlangte, wird 
diese durch feine über den Boden verteilte Blumenpflänzlein gekennzeichnet. 
Die Vergoldung des getriebenen Silberbleches umfaßte ursprünglich alle 
hervorragend malerischen Teile, besonders Bart- und Haupthaar, Pallien, 
Gewandborten und so fort; von ihr ist vieles abgesprungen. Die Nimben der 
Längsseiten sind mit feinen Linienornamenten, die Dächer der Architekturen 
mit Ziegel- und Schachbrettmustern in Gold auf Kupfer tauschiert. Diese 
Plättchen sind gesondert hergestellt und mittels kleiner Nägel aufgenietet. 
Das berühmteste Kunstwerk der Dinantschen Schule muß selbstver- 
ständlich das Taufbecken aus der Nordkapelle der St. Bartholomäus-Kirche 
zu Lüttich sein, das ursprünglich eine Hauptzier der zerstörten St. Lambert- 
Kathedrale bildete; man hielt es früher immer für ein Werk des Meisters 
Lambert Patras vom Jahre x 1 12. Neuere Forschungen (von josef Destree, La 
Dinanderief und andere) haben ergeben, daß es um wenige Jahrzehnte später 
(etwas vor 1x30) anzusetzen und dem Goldarbeiter Renier aus Huy zuzu- 
schreiben ist. Das eigentliche zylindrische, nach unten zu sich etwas ver- 
jüngende Taufbecken von 1], Meter Höhe und I Meter Durchmesser, in der 
den Dinanderien eigentümlichen Kupferschlägertechnik ausgeführt, ruht nach 
dem literarischen Vorbild des alttestamentarischen ehernen Meeres auf 
 
' Josef Desträe, La Dinanderie sur les bords de 1a Meuse. Noles e: Documenta. (Extmit du Compte 
rendu du Congrös dhrchiologie et d'Histoire, Dinant 1903.) Namur 1904. Vergleiche ferner auch jules Helbig, 
L2 sculpture e! las ans plastiques du pays de Liäge et sur les bords de la Meuse. Il. Edition. Bruges 1890. 
14'
	        

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