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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 2)

als aus der Gavarni- 
Daumierschen-Komö- 
diensphäre, sieht man 
in j. Scheffer, der, an 
Chodowieckische 
Serien erinnernd, einen 
bilderreichen Guckkas- 
ten über das Thema 
„Ce qu'on dit - ce 
qu'on pense" aufstellt. 
x- an 
x 
AußersolchenKlein- 
künsten begab sich 
noch eine monumen- 
tale Darbietung. Keller 
und Reiner brachten 
das gesamte Werk 
Konstantin Meuniers, 
Bilder, Plastiken und 
Tischzeug, nach dem Entwurf von Alois Bohla in Deutsch Lieben-ausgeführt vor allem die vier 
von Norbert Langer n! Söhne in Deutsch-Lieben mächtigen Reliefs des 
Denkmals der Arbeit zusammen, und veranstalteten im Saal der alten Musikhochschule 
eine imposante Ausstellung, die mit einer weihevollen Feier eröffnet wurde. Wie eine 
großstilisierte Festspielbühne erhob sich im Hintergrund des Saals das Podium mit seinem 
weiten Mauerhalbrund, in dem die Reliefs gefaßt sind, und den sie begleitenden Bronze- 
gestalten. Und auf dieser Bühne erschien Emanuel Reicher und sprach einen Prolog von 
Ernst von Wildenbruch, der die Menschen und die Tagewerke dieses skulpturalen Epos 
schwungvoll anrief, den Sämann und sein Tun: „Gehe dahin mit der streuenden Hand 
- schweigender Mann über schweigendes Land"; den schürfenden Bergmann: „Schwinge 
die Axt, in das blinde Gestein - trage den Tag und das Leben hinein"; den Mann vom Hoch- 
ofen: „Sieh wie die schmelzenden, wälzenden Schlangen - Nach der gefesteten Form 
verlangen - Greifende Zangen, Hammers Gewalt '- Zwingen in Form sie, Leib und Ge- 
stalt"; und das Schiffvolk: „Trage das Schilf den Strand zum Strand - Welten hinunter, 
Land zum Land". 
In hoher Bewunderung steht man vor diesen Reliefs. Voll lebendigster Bewegung, 
vielgestaltig, in erregtem Rhythmus angespannter Kräfte sprechen sie zum Beschauer. Und 
dabei sind diese Gruppen in ihrer Rastlosigkeit, in ihrer fieberhaften Unruhe des Schaffens 
mit so weisem künstlerischen Maß gebändigt und in die Form dieser Rahmen eingegliedert, 
daß diese Reliefs der Arbeit uns nicht weniger erhaben dünken als ein aeschiläischer 
Chor oder der Parthenonfries. 
Betrachtet man nun diese vier modernen Herkulesarbeiten im einzelnen, so packt 
durch die Gewalt des Elements besonders die Szene am Hochofen. Aus der Waberlohe, 
aus den züngelnden Flammen ward ein dämonischer Hintergrund gewonnen. Und die 
Gestalten an dieser Vulkans-Esse wachsen, wie immer bei Meunier, zu einer Größe, 
einem monumentalen Sül durch den gesammelten Ausdruck aller Kräfte zu einer Tat. Im 
fruchtbarsten Augenblick ihres Seins werden sie festgehalten und in ihm ragen sie über die 
Kleinheit und dumpfe Beschränktheit ihres Alltagslebens hinaus und werden fähig, 
symbolische Abbilder der elementarbezwingenden Kraft des Menschen darzustellen und 
der Antigone-Hymnus könnte zu diesem Altar emporklingen: Vieles Gewaltige lebt, doch 
nichts gewaltiger als der Mensch . . . . 

	        

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