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Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 2)

Eine machtvolle Strophe in diesem Epos von der Kraft ist auch das Relief der Berg- 
leute, die den Fels sprengen. Hier ergibt sich eine besondere Wirkung durch die Umrah- 
mung. Die Basis des Reliefs ist selbst als der Fels gedacht und die zackige, rissige Begren- 
zungslinie des oberen Randes und der furchige Grund erscheinen, als hätten die Männer 
wirklich, mit Hacke und Eisen sich einwühlend in das Gestein, den kargen Raum erkämpft. 
Und das leidenschaftliche Vordringen, das nicht Nachgeben mit zusammengebissenen 
Zähnen, das fühlt man in der Gestalt des Mineurs, der das Bein gegen die Steinwand 
gestemmt, das spitze Eisen dem Stein in die Flanke treibt. 
Im dritten Relief erscheint die Welt des Hafens, der Schitfahrt, mit jenen athletischen 
trotzigen Gestalten, wie man sie im Hafen von Antwerpen mit den Kauifarteiballen aller 
Erdteile freispielend hantieren sieht. Und das schleierartig weit über den Nacken hängende 
Kopftuch, das sie zum Schutz tragen, gibt eine gewisse Stilisierung, fast hieratisch, so daß 
man an assyrische und ägyptische Friese königlicher Arbeiter denken kann. 
Dies Tuch, das einem Nutz- und Schutzzweck dient, und jedem Kenner des Hafen- 
bildes vertraut ist, trägt sehr dazu bei, den Meunierschen Volksfiguren jene symbolische 
Erhöhung der Erscheinung zu verleihen. Sie werden auch nicht durch den bürgerlichen 
Anzug trivialisiert, der sich so ungünstig und spröde für die Monumentalbehandlung erweist. 
Sie stehen meist halbnackt in der Fülle ihrer Muskeln da, arbeitsgemäß, und die Kleidungs- 
stücke, die sie tragen, das Schurzfell, der Sweater, die Mütze oder jenes Schleiertuch fügt 
sich dem plastischen Stil viel besser ein als der korrekte Anzug, den man als lächerliches 
Gegenteilspiel besonders grotesk auf italienischen Kirchhöfen und Marktplätzen - man 
denke an die Gehrockmänner auf hohen Säulen - findet. 
Der vierte Gesang dieses Epos der Arbeit handelt von der Mutter Erde. Ein plasti- 
scher Millet ist die Szene: Im reifen Korn die Schar der Ährenleser mit Sichel und Sense. 
Und wie auf dem ersten Bild die züngelnden Flammen, so gibt hier der luftig bewegte 
Getreidewald den mitschwingenden Hintergrund für die rege Gebärde der Menschen. 
ImI-lalbrund, den die Rahmenwand diesesReliefs beschreibt, stehen gleich Chorführern 
eherne Figuren auf hohem Sockel. Hochragend als Mittelkrönung der Sämann, Milletisch 
gefühlt wie das Ernterelief, mit weiter Gebärde zwischen Erde und Himmel. Dann 
sitzend der Bergmann, der Hamrnermeister, und schicksalsvoll der „Ahne", das eherne 
Abbild des Alters von den Malen und Kriegsnarben der Arbeit gezeichnet und schließlich 
die Gruppe derMutter mit den Kindern, dieVerkörperungfür den ewigunendlichen Gedanken 
alles Seins, für Werden, Emeuerung, Fecondite. 
Und sie kehrt wieder in dem Entwurf zum Denkmal des großen Arbeiters, dem 
Meunier so ähnlich war, Emile Zolas, des Schöpfers von Germinal und la Terre. 
Felix Poppenberg 
ISCHZEUG VON NORBERT LANGER 8: SÖHNE. Wir hatten schon 
wiederholt Gelegenheit, über die erfreulichen Fortschritte der lange Zeit darnieder- 
liegenden Leinendamastweberei in Österreich Bericht zu erstatten; man vergleiche die 
kurzen Bemerkungen im Jahrgange 1903 dieser Zeitschrift auf Seite 222 und Seite 535. 
Eine Zeit schien es, als ob die neuere Kunstrichtung diesem ganzen Zweige der 
Kunstweberei ein sang- und klangloses Ende bereiten sollte. 
Ein angesehener Wiener Architekt, dessen Verdienste nicht im geringsten geleugnet 
werden sollen, meinte vor wenigen Jahren gelegentlich eines Wettbewerbes für Leinen- 
damastrnuster sogar, man solle das Weben solcher Arbeiten überhaupt aufgeben, da man 
doch nur Muster erzeuge, die dann niemand gewahren könne. 
Diese Behauptung hat, wenigstens wenn wir sie nur auf einfarbige Damaste beziehen, 
anscheinend sehr viel für sich. 
Es wird kaum möglich sein, bei einem größeren Damaststücke das ganze Muster mit 
einem Blicke zu übersehen. An einigen Stellen wird es in Folge der Beleuchtung kräftig 
hervortreten, an anderen immer unklarer verschwimmen und an vielen gar nicht zu 
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