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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 2)

Provincia Narbonensis, erklären 
mag. Das lebendigere Natur- 
bewußtsein des Künstlers, das 
aber auch hier vor den typischen 
Physiognomien Halt macht, ließe 
eher auf letztere, direktereBezie- 
hungen schließen. Die Gewän- 
der, Tunica, Toga oder Pallium, 
mit einer Fibula zusammenge- 
halten, sind auf den nackten Kör- 
per gearbeitet, ohne ihrer selb- 
ständigen Bedeutung verlustig 
zu gehen, und zeigen schöne 
runde und natürliche Falten. 
(Auch hier erscheint wieder ein 
Krieger in der beschriebenen 
zeitgenössischen Tracht.) Ahnlich angenehm sind die meisten Standmotive, 
die sehr amüsant Klassisches und l-Iochmittelalterliches nebeneinander 
zeigen; für ersteres mögen die beiden „togati" linksi von der Taufe Jesu 
Beispiele bieten, die in für jene Zeit sehr glänzender Weise auf Stand- und 
Spielbein ponderiert sind, während der eine überdies noch in prachtvoller 
Dreivierteldrehung dem Zuschauer den Rücken wendet, indessen der nach 
mittelalterlicher Weise von einem dicken Haarwulst umgebene Kopf diesem 
wieder zugekehrt ist. Den höfisch spitzen Schritt der voreinander gesetzten 
Füße, der von nun an noch bis ins XVI. Jahrhundert, dem neuen Siege der 
klassischen Renaissancebewegung, wenigstens im Norden absolut vor- 
herrscht, treffen wir bei dem den Zöllnem predigenden Johannes sowie bei 
der der Taufe des Kornelius rechts assistierenden männlichen Gestalt an. 
Die übrigen Stellungen erscheinen meist durch die dichter aneinander- 
gerückten F üße von schwerfälligerer Art. 
Daß sich die Gießerschule von Dinant auch mit weniger monumen- 
talem Kleingerät für den kirchlichen Kultus befaßt hat, kann uns bei der 
großen Nachfrage der Zeit nach solchen Produkten des Kunsthandwerks 
nicht wundernehmen. Daß freilich bei dem so leichten Export und Import 
dieser häufigen Ware die Grenzen - beispielsweise gegen die rheinische 
Produktion - nur fließende sind, ist einleuchtend. Es handelt sich haupt- 
sächlich um Aquamanilien, Trinkhörnerteile für den Wein der Eucharistie, 
Altarleuchter, Kruzifixe und Räuchergefäße. Erstere gehen auf die alt- 
germanische, ja überhaupt jedem Naturvolk eigentümliche archaische Vor- 
liebe für Tiergestalten zurück, so daß wir hier schon von früher her eigen- 
tümlich groteske Löwen, Pferde, Widder und so fort mit geometrisch streng 
gezeichneten I-Iaarspiralen, drollig aufgebogenen Schwänzen und Mähnen, 
 
Trinkhorn, Xll. Jahrhundert, Gießerschule von Dinant (Sammlung 
Vicomte de Bare de Comanue in Gen!) 
"f Die Bezeichnungen links und rechts mögen in diesem Aufsatze immer vom Beschauer aus verstanden 
werden.
	        

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