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Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

Demnach ist unser Standpunkt 
gegenüber den Bestrebungen, 
die Sepulkralkunst ästhetisch 
wieder zur Höhe zu bringen, 
nach zwei Seiten festgelegt. In 
den äußeren Formen hat nicht 
das absolut Neue, sondern das 
absolut Schöne zu gelten, auch 
wenn es sich an historische 
Muster anlehnt, in der Idee 
werden wir in der Hauptsache 
antike Anschauungen den un- 
seren am nächsten verwandt 
Finden. Es ist in der Tat über- 
raschend, wie unsere besten 
Bildhauer mit Vorliebe auf grie- 
chische Abschiedsszenen, trau- 
licheDarstel1ungen des Familien- 
lebens, EinzeliiguremMedaillons 
VIII. Ausstellung der Arts and Crafts Society, London.  Gruppen zurückgreifen,  
Geschnitzter Rahmen, Lorbeerblätter und -blüten, von Margaret Slch auf Stelen finden und darnlt 
"WWY zugleich auf die Form der Stele 
selbst, des einfachen Altars, Sarkophags, der Säule und andere. Und wenn 
nicht die griechische Urform direkt für sie maßgebend ist, so suchen sie im 
Empire und in der Biedermeierzeit näherliegende und uns vertrautere Um- 
bildungen, besonders die auf einer Säule stehende Aschenurne, welche für 
die modernen Brandgräber, die Krematorien, erhöhte Bedeutung erlangt hat. 
Sehr edel wirkte auf der Wiesbadener Ausstellung das Denkmal, welches 
der Münchener Bildhauer Floßmann seinen Eltern gewidmet hat, deren 
I-Ialbi-iguren in I-Iochrelief aus einer runden Nische vorspringen; der einfach 
profilierte Grabstein hat die Form einer römischen Stele mit Giebeldach, 
doch sind die Seiten abgeschrägt. Noch inniger lehnt sich Habich in einem 
Relief an attische Muster an, einer Abschiedszene von wehmütiger Resig- 
nation, bei welcher auch das Kostüm ganz griechisch ist. Hermann Hahn 
schmückt einen Grabbau von monumentaler Einfachheit mit den Kolossal- 
gestalten des Morgens und des Abends, dem Gedanken nach von Michel- 
angelo, der Form nach von Olympia hergeholt. Feiner und glücklicher, wenn 
auch viel bescheidener ist sein Grabmal in Form eines Altars mit zwei 
gesenkten Fackeln an den Ecken und einem tiefen, sehr edlen Rundmedaillon 
auf der Vorderseite, das Ganze mehr mit den Augen eines Empirekünstlers 
gesehen. Direkt heidnisch ist Wadere geworden, welcher für das Grab eines 
Arztes einen Äskulap modelliert, wie er einem Kinde den Heiltrank reicht. 
Dabei ist gerade dieses Relief am wenigsten in griechischem Geiste gedacht, 
während Heinrich Lang in Form und Gehalt das griechische Stelenmotiv in 

	        
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