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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

den friedlichen Wohnungen der Toten. Im Hintergrund er- 
hebt sich eine imposante Grabkirche an Stelle des primitiven 
Notbaues, der auf den meisten älteren Friedhöfen für Ein- i 
Segnungen dient und an sie schließen sich breite Flügel, die 
Arbeitsräume oder auch hervorragende Grabstätten enthal- 
ten. Dazwischen liegt gewöhnlich ein Blumenparterre mit 
Kindergräbern, nach den Seiten hin schließen sich Alleen, 
kleine Haine und Pflanzungen verschiedener Art für die 
Gräber der Erwachsenen an. VIII-Ausstellung der 
Freilich braucht ein solcher Friedhof auch etwas mehr  
Platz, aber den hohen Zielen, die hier auf dem Spiel stehen, Silberschnalle 
darf sich der Krämergeist nicht mehr entgegensetzen. Wir "o" I'm A' Hodel 
haben durch ihn an unserer Kultur bereits heillosen Schaden genug erlitten. 
 
   
WISSOVGIET Y so VON P. G. KONGDY-ILONDON  
 
IE „Arts and Crafts"-Ausstellungsgesellschaft hat ihre 
Mission erfüllt, hat sich überlebt und aufgehört, als 
lebendigerFaktor in derEntwicklungdermodernen 
Kunstindustrie eine Rolle zu spielen. Damit soll 
nicht gesagt sein, daß die heuer in der Grafton 
Gallery arrangierte Ausstellung nicht vieles 
Interessante und sogar manche vortreffliche 
Leistungen enthält, aber von einer geordneten, 
systematischen Bewegung nach klar vorgesetzten 
Zielen, wie die Arts and Crafts Society sie zu 
Zeiten William Morris' vor Augen hatte, ist kaum 
noch etwas zu fühlen. Die Theorien, damals revolutionär und epochemachend, 
sind heute durchgedrungen, ja man ist ihrer teilweise schon überdrüssig 
geworden. Was die Arts and Crafts-Bewegung erreicht hat, das ist die all- 
gemeine Verbreitung und das Durchdringen künstlerischer Ideale im täglichen 
Leben. Selbst im kleinbürgerlichen Haus sind die haarsträubenden Ge- 
schmacklosigkeiten der früh-viktorianischen Epoche verschwunden und ein 
gesundes Schönheitsgefühl offenbart sich in Tapeten, Mobiliar und Haus- 
gerät jeglicher Art. 
Andrerseits haben sich die tonangebenden Kreise von der „Moderne" 
abgewendet, um auf das XVIII. Jahrhundert zurückzufallen. Man ist der 
geradlinigen, mittelalterlichen Steifheit des Arts and Crafts-Möbelstiles 
gerade so überdrüssig geworden wie der sinnwidrigen Kurven und Krüm- 
mungen des Art Nouveau-Stiles, und Chippendale, Sheraton, Hepplewhite 
und die Brüder Adam herrschen heute im Haus des wohlhabenden Bürgers, 
so wie Louis XV und Louis XVI im Palais des Reichen.
	        

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