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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

 
und messingartig lichter Bronze liegt. Zu beiden Seiten 
einer fein in Relief ausgearbeiteten Figur sind zwei 
Stücke glänzend schillemdes Perlmutter eingelassen. Die 
Umrahmung ist allerdings zu formell, dagegen ist die 
Oberfläche der Glockenplatte nicht zu glatt geschliffen, 
um das Spiel der gebrochenen Lichtrefiexe auszugleichen. 
Von silbernem Kirchengerät war viel zu sehen, doch 
sind da die Formen durch die Überlieferung so geheiligt, 
' daß die künstlerische Erfindung sich auf die angewandte 
Dekoration, auf Repoussierarbeit und Email- und Ge- 
steinverzierung beschränken muß. Um nur ein Beispiel 
anzuführen, läßt sich das Mißverhäitnis zwischen dem 
schweren, breiten Untergestell und der kleinen Schale 
des Abendmahlkelches selbst durch die herrlichste Ver- 
zierung nicht verbergen. Unter den Arbeiten des Silber- 
schmieds fiel eine Obstschüssel auf, von W. S. Hadaway 
entworfen und von J. Lutiger, einem in London ansäs- 
sigen Schweizer, in Repousse ausgeführt. Als Motiv 
dient wieder die so beliebte Weintraube. 
Relief vom Kloster bei _ _ _ _ 
Sangbao, nach Grilnwedel Bevor ich mich der reich beschickten Schmuckab- 
"B"dd'"'""ch' K""" i" teilung zuwende, muß ich noch die Arbeiten eines jungen . 
Indien' ' 
Bildhauers erwähnen, der eine Anzahl von höchst ori- 
ginellen und reizend ausgeführten Zierstücken zeigte. Richard Garbe ist 
einer der wenigen englischen Künstler, die sich mit Elfenbeinschnitzerei 
befassen, und zwar weiß er seine schönen Elfenbeinreliefs in vorteil- 
haftester Weise zur Geltung zu bringen. Sie dienen ihm nicht als End- 
zweck, sondern zur Dekoration von Kassetten, Brieftaschen, Parfum- 
Häschchen und ähnlichen Gegenständen. Meistens sind sie als kleine 
Paneele in eine Umrahmung von verschiedenfarbigem Chagrin mit fein 
gearbeiteten Silberbeschlägen eingesetzt. In der Reliefbehandlung folgt er 
nicht den Künstlern des fernen Ostens, die sich bemühen, ihre Geschicklich- 
keit in der Überwindung von Schwierigkeiten durch Ausarbeitung der 
feinsten Details in voller Rundung zu zeigen, sondern zieht eine flache, 
ungemein zarte Darstellung vor. Trotzdem sind die zurücktretenden Flächen 
und die Rundungen der Körper trefflich ausgedrückt. Das I-Iauptverdienst 
der Garbeschen Arbeiten liegt aber in dem tadellosen Geschmack seiner 
Farben- und Materialkombinationen. Was er als Bildhauer im kleinen leistet, 
läßt sich aus einem Frauenköpfchen in Bronze und aus dem Elfenbein- 
f-igürchen über der Kuppel eines Uhrgehäuses ersehen. jedenfalls zählen 
diese Stücke zu den originellsten Schöpfungen, welche von der Arts and 
Crafts-Ausstellung zu Tage gebracht wurden. 
Was Schmuck betrifft, ist vor allen Dingen die löbliche Tendenz be- 
merkbar, den inneren Wert der Steine zu verachten und die mattgefärbten 
Halbedelsteine den kostspieligen Juwelen vorzuziehen. Diamanten, Smaragde,
	        

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