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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

die Textilerzeugnisse Ost- 
asiens gerade in den 
letzten Jahrhunderten in 
Europa nur geringen An- 
sehens, da das inzwischen 
wesentlich verbesserte eu- 
ropäische Seidenmaterial 
und Gewebe dem östlichen 
in vieler Beziehung als 
weit überlegen galt. 
In den letzten Jahr- 
zehntensind dagegen aller- 
dings zahlreiche ostasia- 
tische Stoffe nach Europa 
gelangt. Wenn, wie ge- 
sagt, die Ostasiaten nun 
ihre alten Stoffe selbst ko- 
pierten, so werden unter 
den heute in unserem Be- 
sitz befindlichen Stoffen 
Qstasiatischgf Hgfkunft _- Einsatz eines Gewandes aus einem spätantiken ägyptischen Grabe 
abgesehen davon, daß (gobelinarüg in bunter Wolle). Österreichisches Museum. Ü: d. n. G. 
wirklich alte darunter sein können - also wenigstens in Wiederholungen die 
alten Typen sich finden. Und wenn in Ostasien wirklich alle alte Typen 
oder wenigstens die Hauptvertreter kopiert wurden, dann könnten wir doch 
einen Überblick über die ganze Entwicklung gewinnen. 
Vielleicht wurde aber nur Einiges kopiert, und zwar das, was gerade 
dem jeweilig neuen Geschmacke entsprach, während ganze Entwicklungs- 
stufen der alten ostasiatischen Kunst nicht wiederholt wurden. 
Anders war es ja auch in Europa bei Stilwiederholungen nicht der Fall. 
In der Tat erkennen wir schon bei Betrachtung der verhältnismäßig an 
Zahl doch geringen, historisch beglaubigten Stoffe in japanischem Besitze}; 
daß uns da Typen auftauchen, die in den späteren Wiederholungen an- 
scheinend nirgends sich finden. Wir erkennen wieder, daß wir trotz der Fort- 
führung und der direkten Kopien des Alten im großen ganzen doch nur den 
Kunstgeschrnack Ostasiens in den letzten zwei bis drei Jahrhunderten und 
was vom Alten eben dazu paßte, aus den bei uns vorhandenen Kunstwerken 
zu erkennen vermögen. Das vielleicht vorhandene wirklich Ältere ist jedenfalls 
zu wenig, um uns die älteren Stufen der Entwicklung wirklich klar zu machen. 
Unsere eigene Stellung gegenüber der ostasiatischen Kunst ist übrigens 
heute großenteils noch dieselbe, wie unsere Stellung bis weit ins XVIII. jahr- 
hundert hinein gegenüber der Antike. Wir fassen die ostasiatische Kunst 
_ ich spreche gar nicht vom Unterschiede zwischen China und Japan - 
 
" Siehe „Kunst und Kunsthandwerk" 1905, Seite 85 ff.
	        

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