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Objekt: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 228)

zu bewahren. Für die österreichische Industrie, speciell für die Kunst- 
industrie ist es allerdings das Wichtigste, dass in den nächsten Jahren 
eine größere Kunstgewerbeausstellung in Wien veranstaltet wird, und 
zwar nach dem Programme wie eine derlei Ausstellung im Jahre 1876 
in München durchgeführt wurde, welches allerdings noch erweitert werden 
müsste, um den Anforderungen zu entsprechen, welche in neuerer Zeit 
herangetreten sind. 
Das Entwerfen im Freihandzeichenunterricht. 
Von C. Sitte. 
(Schluss) 
Nach den bisherigen zerstreuten Anläufen und verschiedenen Ver- 
suchen würde sich die Sache im Allgemeinen aber so gestalten. 
Der ganze Formenschatz des ornamentalen Zeichnens wäre nicht 
bunt durcheinander herzunehmen, wie es die momentane Laune des 
Bildchencopirens seinerzeit mit sich brachte. Vielmehr wäre eine strenge, 
wohl durchdachte Ordnung des ganzen Materiales das Erste, was zu 
geschehen hätte, und es würde nicht genügen, diese Ordnung nach päda- 
gogischen Gesichtspunkten allein durchzuführen, was im Allgemeinen 
heute bereits eine geschehene Arbeit ist. Es müsste diese Ordnung auch 
gleichzeitig den Anforderungen der ornamentalen Formen- und Compu- 
sitionslehre entsprechen. 
Nur wenn man auf diese Art ein Formengebiet nach dem andern 
hernimmt und jedes semesterweise einer gründlichen Durcharbeit unter,- 
zieht, auch in Bezug auf Material, technische Herstellung und Compo- 
sition nach allen Möglichkeiten und Varianten; nur dann wird es möglich 
sein, der hier gestellten Forderung auch wirklich Genüge zu thun. 
Die Zahl der ornamentalen Techniken ist nämlich so groß und die 
Verzweigung der Varianten-Geschlechter jedes einzelnen Wurzelmotives 
gleichfalls so groß, dass von vorneherein an der Aufgabe, dies in der 
hier geforderten Weise durchnehmen zu sollen, verzweifelt werden müsste, 
wenn nicht eine Reihe von Semestern mit genügender Stundenzahl zur 
Verfügung stünde. Wird aber der ganze Stoß" auf alle Stufen des Zeichen- 
unterrichtes vertheilt, bis zur untersten, dann wird es gehen, das zu 
leisten, was in einem oder zwei Jahren Meisterschule einfach aus Zeit- 
mangel nicht möglich ist. ' 
Zum Nachweise, dass sich die Methode eigenen Combinirens (resp. 
Entwerfens) bis zu den Unterstufen hinab mit den anderweitigen fest- 
stehenden pädagogischen Forderungen gar wohl ohne Conüict verbinden 
lässt, sei noch die folgende Eintheilung des Formenmateriales als ein 
erster beiläufiger Versuch einer solchen Gruppirung vorgeführt.
	        
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