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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

vielfach noch immer als ein großes Ge- 
meinsames auf, das unserer Kunst als Gegen- 
satz gegenüber steht. Wir bedenken aber 
nicht, daß die einzelnen Phasen der östlichen 
Kunst sich oft mehr untereinander unter- 
scheiden als jede einzelne von unserer. 
Das ist vielleicht die Ursache, warum 
man bisher bei uns etwa vorhandene altost- 
asiatische Stoffe oder Typen als solche viel- 
fach gar nicht erkannt hat. Und doch müssen 
bei uns sogar gewiß echte alte ostasiatische 
Gewebe in nicht allzu geringer Zahl vorhan- 
den sein; denn die Einfuhr chinesischer Seide 
ist bei uns für die verschiedensten Zeiten und vielfach in einem sehr bedeu- 
tenden Umfange gesichert. Es wäre sehr merkwürdig und gegen alle Regel, 
wenn aus Ostasien in alter Zeit nur das Rohmaterial und nicht das, den 
Transport lohnendere, fertige Gewebe eingeführt worden wäre. Außerdem 
hören wir ja auch geradezu von dessen Einfuhr. Ich rnuß hier kurz auf die 
älterenVerkehrsverhältnisse zwischenOstasien und dem Mittelmeergebiet hin- 
weisen; ich kann mich aber um so kürzer fassen, als ich in meiner größeren 
Textilpublikation" an zahlreichen Stellen näher darauf eingehen mußte. 
Wie bekannt, gab es Seide ursprünglich nur in China und dem angren- 
zenden Khotan, einem Teile des heutigen Südostsibiriens. Aber schon in der 
hellenistischen Periode und der frühen römischen Kaiserzeit wurde Seide 
nach dem Mittelmeergebiete ausgeführt. 
Der I-Iandelsweg ging über Zentralasien nach Persien und von da nach 
Syrien; dieses Land hatte sich in der späteren Antike, während Griechen- 
land selbst verlassen in stiller Größe dalag, ja zum belebtesten Industrie- 
lande der alten Welt emporgeschwungen. 
Im Jahre 98 nach Christi Geburt langt der Adjutant eines chinesischen 
Generales am parthischen Hofe an, um über den Handelsverkehr zu 
unterhandeln. Umgekehrt kommen zum Beispiele im Jahre 120 nach Christi 
Geburt syrische Gaukler zur See über Anam nach China. 
Größere Bedeutung erlangt der Seeweg durch den indischen Ozean, seit- 
dem eine große Pest, die in ganz Zentralasien wütete, und der erneute Krieg 
zwischen Rom und Persien den Landverkehr eine Zeitlang fast unmöglich 
machte. Chinesische Annalen zum Jahre 166 nach Christi Geburt berichten 
von einer syrischen Gesandtschaft zur Erleichterung der Handelsbeziehungen. 
Für das III. Jahrhundert ist der Verkehr über Tongking erwiesen. Während 
früher die Seide hauptsächlich aus Nordchina gekommen war, trat nun Süd- 
china in den Vordergrund. 
Aus China kamen Eisen, das als das beste galt, Felle und vor allem 
Seide, nach China wurden nach chinesischen Quellen hauptsächlich die 
i" „Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei . . . .", Wien xgo4. 
 
Vorn Tamamushi-Tabernakel, nach Oskar 
Münsterberg „Japanische Kunstgeschichte"
	        

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