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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

vorderasiatischen Gewebes mit einer jagddarstellung anzusehen 
ist. Dagegen mußte ich an anderer Stelle auch schon die Ver- 
mutung aussprechen, daß uns dennoch auch ostasiatische Stoff- 
reste oder wenigstens dem Mittelmeergebiete entstammende 
Nachahmungen ostasiatischer Motive, schon aus spätantiker oder 
frühmittelalterlicher Zeit erhalten sindf Ich füge hier nur noch 
einige bemerkenswerte Beispiele an. 
Die Abbildung auf Seite 187 zeigt uns einen gobelinartig aus- 
geführten Einsatz eines Leinenkleides aus einem spätantik-ägyp- 
tischen Grabe. Daß die Arbeit vorsarazenisch ist, braucht wohl 
' nicht erst bewiesen zu werden; wahrscheinlich ist mit der Er- 
wähnung des VI. Jahrhundertes schon ein später Zeitraum ge- 
nannt. Uns muß hier vor allem das an sich höchst sonderbare 
Kreisomament des Randes auffallen; ich glaube, daß niemand 
verkennen wird, daß hier nur jene eigentümlichen Kristallkugeln 
als Vorbild gedient haben können, die von mir wiederholt be- 
sprochen wurden" und unter anderem auch im Jahrgange 1904 
dieser Zeitschrift auf Seite 653 abgebildet sind. Es muß hier also 
irgend ein indisches oder ostasiatisches Vorbild vorgelegen haben. 
Vielleicht erklärt uns dieses Beispiel auch das bei ostasiatischen 
StoHen""'"" so häufige Scheibenmotiv in den Kreisgliederungen, 
das wir zumBeispiele auch bei dem Stücke auf Seite 190 gewahren; 
vielleicht sind die leeren Scheiben nur eine andere Darstellungs- 
form der Kristalle, die uns hier einmal in der plastischeren Form - 
Randstoß mit Glanzlicht und Reflex - erscheinen. Doch möge dies nur 
äle"s'sau':":f; als Vermutung aufgefaßt werden; die Hauptsache ist die wohl 
x11, bis x1v_ unleugbare Nachahmung eines buddhistischen Symbols, das doch 
 wohl nur durch Vermittlung von Stoffen und da am besten durch 
a_a_o__v'll_„' Vermittlung ostasiatischer Seidenstoffe, nach dem Westen ge- 
langt sein kann. Im höchsten Grade wahrscheinlich ist mir die 
Annahme buddhistischen Einflusses auch bei der auf Seite rgo wiedergegebe- 
nen Darstellung des Hakenkreuzes, der indischen Svastika, die in Ostasien 
solche Bedeutung erlangt hat; man vergleiche etwa die Darstellung auf 
dieser Seite. Die Zeit, da es auch im Mittelmeergebiet ein primitives Ornament 
war, ist dochjahrhunderte vorüber. Sehr auffällig ist der gleichfalls aus einem 
ägyptischen Grabe stammende gobelinartige Streifen, der auf Seite 191 abge- 
bildet ist. Dieses Stück ist von Graf mit zahlreichen Stoffresten zusammen 
gefunden worden, von denen kein einziger auf eine spätere Zeit als das 
VII. nachchristliche jahrhundert weist; auf keinen Fall wird man die Arbeit 
für jünger als frühsarazenisch erklären. Die Gestalten in den Kreisen sind 
nun doch wohl nichts anderes als die bekannten ostasiatischen Drachen, wie 
 
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EYÄKITÄ. 
" "Kunst und Kunsthandwerk" 1905, Seite 84H. 
'"' "Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei . 
"" "Kunst und Kunsthandwerk" 1905, Seite 87. 
" Seite x25.
	        

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