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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

wir sie etwa auch auf der altjapanischen Arbeit auf Seite 18g finden. Ob der 
kleine Kreis über dem Tiere als geflügelte Scheibe aufzufassen ist, wie sie 
sich heute bei dem Drachen des chinesischen Staatswappens Findet, wage 
ich nicht zu entscheiden." 
Vielleicht bieten buddhistische Einflüsse oder vielmehr die Nachahmung 
der unter buddhistischem Einflüsse stehenden ostasiatischen Seidenstoffe 
auch die Erklärung für das Vorkommen einer Reihe von Tiermotiven in den 
spätantiken und altchristlichen Stoffen, die sich weder aus der spätantiken 
noch aus der christlichen Überlieferung, wenigstens nicht in der Häufigkeit 
ihres Erscheinens, erklären lassen. Auffällig häufig sind in alten Quellen" 
besonders Löwen, Pferde, Elefanten, Pfauen und Greifen erwähnt. 
Von den Elefanten war schon an anderer Stelle die Rede?" Daß sie 
weder in der Kunst der sasanidischen noch der griechisch-römischen Welt 
alteinheimisch sind, ist wohl klar; aber auch die Pferde, die sich zum Beispiele 
auf einem Stoffreste des Österreichischen Museums vorfinden, sind gerade 
kein aus klassischem Empfinden weiterentwickeltes Motiv, besonders nicht 
auf leichtbeweglichen Stoffen, trotzdem das Pferd hie und da auch als 
altchristliches Sinnbild vorkommt. 
Nun erscheint es mir aber sehr bemerkenswert, daß diese fünf Tiere im 
Buddhismus Ostasiens große Bedeutung haben. Die Abbildung auf Seite 185 
stellt nach Tajirna (I. 5) die Holzbilder der Fünf großen Akäsa-Garbhas vor, 
der vergangenen Buddha, fünf Hauptverkörperungen Gauthamas, ; es han- 
delt sich hier um die Wiederholung eines 847 aus China nach Japan gebrach- 
ten Werkes. 
Die sinnbildlichen Tiere, über denen sich die Buddha dargestellt finden, 
sind (von rechts nach links gerechnet) der Löwe, der allerdings sehr hunde- 
ähnlich aussieht („Fo-Hund") und daher später wohl auch zu den Hundedar- 
stellungen in den Stoffen geführt hat, der Elefant, das Pferd, ein eigen- 
tümlicher Vogel, der aber, wie mir der bekannte Kenner des Buddhismus, 
Dr. K. E. Neumann in Wien, freundlichst mitteilt, nur als Garuda aufgefaßt 
werden kannj- und endlich der Pfau. 
Ich möchte hier auch noch einmal auf eine Stelle des „Liber pontif-icalis" 
hinweisen, die ich in dem Werke über die „Künstlerische Entwicklung der 
Weberei und Stickerei . . . ." (Seite 44) bereits erwähnt und dort schon mit 
Ostasien in Zusammenhang gebracht habe; sie lautet: „Cortina alexandrina 
mirae pulchritudinis, habens historiam pavonum, portantium desuper homi- 
nes." („Ein Vorhang aus Alexandrien von außerordentlicher Schönheit mit 
einer Darstellung von Pfauen, die über sich Menschen tragen.")1"f' 
" Es liegt wohl kein Anlass vor, in den Drachen hier erst ein Ming-Wappen zu erkennen. 
H" Vergleiche „Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei . . . . ." Seite 42 B. 
4'" „Kunst und Kunsthandwerk" 1905, Seite 8B. 
1' Vergleiche „Kunst und Kunsthandwerk" 1905, Seite 87 unten. 
11' Wenn in den alten Quellen (a. a. O. Seite 43 H.) von Flllgelpferden die Rede ist, kann man, wie a. a. O. 
erwähnt, vielleicht an Khilingestalten denken. Der später auf Stoffen so beliebte Papagei mag auf eine andere 
Darstellungsform der Garuda zurückgehen, wie sie in „Kunst und Kunsthandwerk" 1905, Seite 87 gleichfalls bereits 
erwähnt wurde und sicher bis in die Aqokzzeit zurilckreicht.
	        

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