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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

asiatischen Stücks auf Seite 633 im letzten Jahrgange dieser Zeitschrift ist 
wohl nicht zu verkennen; doch soll nur der Zusammenhang der Typen 
hervorgehoben und nicht entschieden werden, auf welcher Seite der Einiiuß 
der größere war. 
Bemerkenswert ist auch das auf Seite x97 wiedergegebene Stück aus 
dem Besitze des South-Kensington-(Viktoria and Albert-)Museums in London, 
das dort als italienisches Werk des XV. Jahrhundertes bezeichnet ist. Das 
allgemeine Schema, die versetzte Anordnung der nach unten zugespitzten 
Kreisformen, kann als Vorstufe bestimmter (besonders orientalischer) Granat- 
apfelmuster des XV. und XVI. Jahrhundertes aufgefaßt und als solche leicht 
erklärt werden; jedenfalls ist diese Gliederung aber bei indischen und ost- 
asiatischen Stoffen häufig. Vor allem auffällig ist der sehr weit gehende 
Naturalismus, wie er sich etwa in den Wurzelenden der Zweige und insbe- 
sondere in den Spinnen und Spinnennetzen verrät; ohne Zusammenhang mit 
dem Osten wäre eine solche Freiheit selbst in der weitest entwickelten italie- 
nischen Gotik oder Frührenaissance wohl nicht möglichf" Vielleicht kann 
die Abbildung des indischen Werkes auf Seite 195 die Zusammenhänge noch 
deutlicher machen. 
In diesem Zusammenhänge mag auch das auf Seite 196 wiedergegebene 
Stück am ehesten richtig gewürdigt werden; Bock hat den, sowohl durch die 
Formengebung als die Farbenstimmung und das flockige, weiche Material 
besonders auffälligen Stoff für eine frühe französische Arbeit erklärt. Doch 
hat ihn dazu, wie in anderen Fällen, wohl nur der Umstand verleitet, daß er 
fühlte, das Stück wäre unter den sonst erhaltenen älteren Geweben seiner 
Sammlung, die doch meist sarazenisch oder italienisch sind, nicht unterzu- 
bringen. Die Formen der ursprünglichen Mittellinie (rechts) erinnern in der 
Linienführung an das Muster des auf Seite 653 des früheren jahrganges 
dieser Zeitschrift abgebildeten Stoffes, der dort als wahrscheinlich ost- 
asiatische Nachahmungen europäischer Renaissancestoffe aufgefaßt wurde; 
die eigentümlich ausgefransten Blätter werden bei dem Vergleiche mit dem 
Stücke auf Seite 650 daselbst als typisch ostasiatisch erscheinen. Ebenso sind 
die kleineren Ansätze an den Hauptstämmen chinesischer Formgebung 
durchaus entsprechend; vor allem müssen aber die großen Blattformen mit 
den zusammenstrebenden Voluten und den wie Flammen vorne heraus- 
tretenden Formen als kennzeichnend chinesisch angesehen werden. Vögel, 
die an Trauben picken, sind bei alten ostasiatischen Stoffen und sonstigen 
Kunstwerken sehr häufig nachweisbar, ebenso das freie Sitzen in der Luft, 
nicht auf einem Zweige; befremdlich, aber auch bei ostasiatischen Arbeiten 
nicht ausgeschlossen, ist die etwas steife Zeichnung der Vögel. Wenn der 
Musterung unseres Stückes verwandte Formen bei älteren deutschen Tapeten 
vorkommen, so können auch bei diesen fremde (über Holland gekommene) 
Einflüsse vorliegen. 
" Wenn auch auf Stickereien der späteren Gotik Pflanzen mit freien Wurzeln vorkommen, so mag 
hier eben derselbe EinHuß. wenn auch mittelbar, eingewirkt haben. 
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