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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

wirkt. Manchmal schimmert ein Bild wie unter einem transluziden Schleier und leuchtet 
flori . 
gFarbigen Sinn und Beschaulichkeit hatte auch ein Künstler, der uns in die Berliner 
Luft führt, Karl Blechen. 
Seine Berliner und seine märkischen Stimmungen, die Blicke auf Gärten und Häuser, 
seine Wanderungen durch die Mark, wenn er zum Beispiel das Walzwerk bei Neustadt- 
Eberswald skizziert, haben etwas Fontanesches. 
Eine gewisse Bescheidenheit, vielleicht manchmal etwas bewußt Trockenes und 
dabei doch etwas sehr Kulturechtes steckt in diesen alten Berliner Malern, in Eduard 
Gärtner, der die Königsbriicke und die Gertraudenbrücke malt, den Schloßhof und die 
Parochialstraße und die Neue Wache; injohann Erdmann l-Iummel, der die ganze Biographie 
der Granitschale im Lustgarten treufleißig verewigte, ihren Transport, ihre Schleifung und 
Bearbeitung und ihre Aufstellung; in Franz Krüger, der die höfische Welt dieser Zeit 
malt, die Herzogin von Dessau, die Fürstin von Liegnitz, Friedrich Wilhelm IV., den 
„Ausritt des Prinzenwilhelm in Begleitung des Malers Franz Krüger" - wobei man fühlt, 
wie sich der Maler als ein kleiner preussischer Velasquez vorkommt - Parade in Potsdam 
und auf dem Opemplatz, Reitpferde und Windhunde. 
Die Porträts dieser Zeit haben überhaupt den allergrößten Reiz. Chodowiecki ist hier 
in auserlesenen Gesellschafts- und Einzelbildem vertreten. Fabelhafte Distinktion haben 
einige Gratis, so die Fürstliche Dame in rotem Kleid mit schwarzem Muff, Boa und 
weißem Spitzenkragen und Tischbeins pompöse Erbstatthalterin von Holland. 
Und als ebenbürtiger Kavalier zu ihnen der prachtvolle Baron Rohrscheidt von 
Johann C.Wilck (1785- xB2oP). Das ist ein lebensgroßes schmales Porträt, Grand-Seigneur- 
typ, in der stattlichen Brokattracht der Zeit rnit zwei Berloques unter der langen Schoß- 
weste und dem hohen Stock. Das Gesicht gebieterisch und sehr weltmännisch, ein 
Mund voll Causerie, er scheint zu jener Rasse geistreicher Genießer voll französischer 
Kultur zu gehören. Man könnte ihn sich an der Tafel des Fürsten von Ligne denken. Dies 
Porträt eines unbekannten Malers ist aber nicht nur in der menschlichen Charakteristik 
bedeutsam, es ist auch originell und besonders in der Komposition. Die Figur ist auf einen 
Platz gegen Hausarchitekturen so gestellt, daß diese Häuser vom Horizont abgeschnitten 
werden und der Mann des Vordergrundes imposant, beherrschend über sie herauswächst. 
In dieser Übersicht fehlen nun wohl viele große Namen. Nichts steht hier von 
Menzel, von Trübner, von Leibl. Aber sie sind oft charakterisiert worden, ihr Bild ist 
fest, und reizender schien es, bei dieser Kunstreise an den stilleren, abgelegeneren Stationen 
zu landen und sich dort vom „divin imprevu" überraschen zu lassen. 
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In diesem Festspiel der Huldigung der Künste stellt sich noch ein erlesenes Schaustüek 
ein, die Darbietung der Privatsammlungsschätze aus dem Besitz der Mitglieder des Kaiser 
Friedrich-Museumsvereins. Zur Feier der silbernen Hochzeitides Kaiserpaares wurden sie 
öifentlich ausgestellt. Und eine würdige, repräsentative und zugleich auch stimmungsfeine 
Bühne fanden sie in den Räumen des alten Redernschen Palais am Pariser Platz. Und 
ein sinnvoller Bedeutungsklang liegt darin, daß dieser edele Schinkelsche Bau, bevor er 
nun fällt und einem Großstadthötel weicht, noch einmal mit seinen Sälen einen Feiertag 
der Kunst und Kultur abhält. Ein Scheiden in Schönheit. 
Elite bildender und angewandter Kunst sieht man hier und man gewinnt einen 
hohen Maßstab für die Werte der noch so jungen Berliner Sammlergeneration, die unter 
ihrem Praeceptor Berolinensis Bode so schnell und gefügig gelernt hat. 
Vor allem sind in hoher Qualität die Niederländer vertreten. Drei Säle um- 
fassen sie. 
Rembrandt und Franz Hals kann unser Privatbesitz in guten Stücken aufweisen. 
29'"
	        

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