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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

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Stiche von joullain bei Riccoboni, 1730. Vorbilder der Meißener Figuren 
starrendem Ästegevvrirr hindurchwindet; die Augen des Sumpfes, die allzudeutlich wirklich 
als schillernde Pupillen im Boden schwimmen -Visionen ohne Dämonien und Tiefen sind das. 
Anerkennung verdient Heinrich Linde-Walther mit der Sevilla-Zigarettenfabrik voll 
zuckigem Leben und einem vortreülichen weiblichen Akt, in der Mischung des Fleisch- 
tons mit dem Stumpfgriin des Tuches sehr malerisch gefühlt. 
Seine eigene Persönlichkeitsnote betont energisch-Lovis In der „Jugend des 
Zeus" schwelgt e'r Heischfroh in bacchantischer Frühlingswonne,vollnaturstrotzend, und 
in der Kreuzabnahme lodert dumpf unter erstickten "grauen, blutrünstig untermischten 
Farben das Grausame dieses Temperamentes. Aus Blut und Dunkel quillt Erlösung - dies 
Zacharias Wemer-Wort könnte man unter das Bild setzen. 
Nach dieser Berliner Revue noch eine kurze Rundschau über deutsche Gäste. 
I-Iymnisch, hoch und freudig, rein und glücklich gestimmt klingt Ludwig von Hofmanns 
Kunst aus seinem „dionysischen Zug". Aus grünem Wald herausziehend, voll festlichem 
Rhythmus seligen Schreitens; der blaue Mantel im Vordergrund gibt schönen Klang. 
Eine reiche Übersicht über das Werk Hugo von Habermanns bietet sich dar, die 
diese kapriziöse Art der Linien-Exentrics in ihrer virtuosen Entwicklung beobachten 
läßt, eine Galerie der Beaute du Diable. Von Münchener Kunst sieht man noch das 
humorhaft fabulierende, voll echtem Kinclersinn geschaute Tierparadies Oberländers und 
einige dekorative, aber frostig und hohl wirkende Stucks, eine Amazone und einen liegenden 
Christus in grünlichen Verwesungstönen auf bleichschillerndem Marmor mit Schrifttafel 
und ornamentalem Spruchwerk. 
Strathmann kommt diesmal mit einem Ornament, das in grün-weiB-roten Perllinien 
wie mit dem Gravierstichel pointiert, ein Feld unter dem heranziehenden Gewitter dar- 
stellen soll. Die dekorative Musterung ist natürlich wichtiger daher als das Gewitter. 
Eine Serie älterer Trübner fesselt - darunter sein Selbstporträt als Einjähriger - 
anregend als Ausdruck künstlerischer Lebensläufe.
	        

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