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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

Juu 
verwischt. Sie sind aufgelöst und aufgebraucht in mannigfaltigsten Formen, 
die aus allen möglichen Reminiszenzen das für jeden Einzelfall Brauchbarste 
verwerteten. Und doch waltet auch hier jene Einheit in der Vielheit, der über- 
zeugende und fesselnde Wirkung innewohnt. 
Und so hat sich der Kreis unserer Betrachtungen wieder geschlossen; 
wir müssen den Bauwerken der Heimat aus einer verhältnismäßig kurzenVer- 
gangenheit dieselben Vorzüge zusprechen, die wir viel älteren und ferner 
gelegenen Leistungen beigemessen haben und die den Arbeiten der nächsten 
Zukunft zurückerobert werden sollen. 
- Vielen wird der bloße Anblick der Lichtbilder genügen, um diese 
Gedanken und Empfindungen zu erwecken. Andere mögen der Wanderung 
durch vergangene Zeiten und getrennte Gebiete nicht ungern gefolgt sein, 
durch welche manche Fäden aufgedeckt wurden, die vom Zentrum einer 
großen Monarchie in ihre entlegenen Grenzgebiete und bis in die Nachbar- 
länder reichen. Manchmal wurzeln diese Fäden tief im Boden, manchmal 
schweben sie hoch über weite Gebiete hinweg. Jede Kunsttätigkeit besitzt 
solche Zusammenhangszeichen; immer wieder werden alte Verbindungen 
gelöst und neue geknüpft. 
Darum ist es sehr anregend, die abseits liegenden oder verschmähten 
Zeugen jener Kulturperioden aufzusuchen, welche den uns verloren ge- 
gangenen Zusammenhang zwischen Kunst und Leben besessen haben. 
DIE SPITZENAUSSTELLUNG IM ÖSTER- 
REICHISCHEN MUSEUM 50 VON MORIZ 
DREGER-WIEN so 
AS k. k. Österreichische Museum kann sich rühmen, 
eine der herrlichsten Spitzensammlungen der 
Welt zu besitzen; eine vor wenigen Jahren 
erschienene Veröffentlichung, die eben wegen 
des reichen Materiales zugleich zum Ausgangs- 
punkte geschichtlicher Untersuchungen gemacht 
werden konnte, hat dies wohl deutlich gezeigt." 
Das Museum verdankt seinen Reichtum an 
Spitzen dem Ankaufe eines Teiles der Samm- 
lung des bekannten Kanonikus Bock in Köln 
und verschiedenen anderen glücklichen Erwer- 
bungen, die bis in die letzte Zeit fortgesetzt werden konnten, insbesondere 
auch dem wahrhaft großartigen Legate der 1896 verstorbenen Wiener 
Bankiersgattin Frau Emilie von Schnapper. 
Schon eine so hochherzige Stiftung kann als Beweis dafür dienen, wie 
hoch das Streben nach edlerer Form und Ausführung der Spitze und das Ver- 
"' M. Dreger, „Entwicklungsgeschichte der Spitze", Wien xgox. 

	        

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