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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

 
Platz in Kaltern, Tirol 
In allen größeren Städten ist an monumentalen Werken für profane 
und kirchliche Zwecke sehr leicht der auswärtige Einfluß nachzuweisen. 
Kirchliche und weltliche Machthaber beriefen in früheren Zeiten ihre 
Baukünstler sehr häufig aus fremden Ländern; zuerst war Deutschland, 
später Italien in der Regel die Bezugsquelle dieser Schützlinge. Da auch in 
kleineren Orten sehr häufig ein Schloß, ein Kloster oder ein Kirchenbau den 
Kern der Anlage bildete, sind solche fremde Einflüsse begreiflicherweise 
mitunter tief in die Provinzen eingedrungen. 
Wo aber der Bürgerstand deutlich zum Worte kam, hat er sein Selbst- 
bewußtsein kräftig betont und neben die vornehmen Äußerungen raffinierter 
Lebensbedürfnisse und gewählten Geschmackes seine einfacheren Wohn- 
stätten unbekümmert und mit kluger Beschränkung auf seine eigenen Mittel 
hingestellt. Die Eitelkeit unserer Zeit, die den Bürger so oft zur Nachahmung 
höherer Gesellschaftsklassen antreibt, wenn auch die Mittel nicht reichen, 
ist eine der vielen Triebkräfte, die zur Charakterlosigkeit im Bauwesen 
geführt haben, die das Surrogat an die Stelle echten Baumaterials, die Imi- 
tation an die Stelle eigener Empfindung gedrängt haben. 
Wohltuend und überzeugend wirken dagegen die Zeugen alter bürger- 
licher Baukunst, in derem anspruchslosen Gepräge so viel weise Beschrän- 
kung und selbstbewußte Kraft liegt, so viel Zusammengehörigkeitsgefühl 
und Zielbewußtheit, daß die Gesamterscheinung fesselnd und die Einzel- 
leistung abwechslungsreich bleibt.
	        

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