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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

Entfaltung näherte, geht nun die 
künstlerische Führung von Italien 
an Frankreich über; es war diese 
Wendung auf dem Gebiete der 
Spitze vielleicht sogar noch ent- 
scheidender als auf manchem an- 
deren künstlerischer Betätigung. 
Man hatte in Frankreich schon 
vorher, wie in manchen anderen 
Ländern, durch allerlei Luxusge- 
setze dem Abfließen des Geldes 
in das Ausland zu steuern gesucht; 
nun griff man die Sache zweck- 
mäßiger an. Statt Verbote zu er- 
lassen, die doch nur zu Übertre- 
tungenVeranlassung gaben, suchte 
man die Gewerbe, die der Befrie- 
digungsolcherBedürfnisse dienten, 
möglichst hoch zu entwickeln, um 
die großenSummen, die demLuxus 
immer zur Verfügung stehen, so 
wenigstens dem Inlande zu wahren 
und allenfalls auch dem Auslande 
selbst neueTribute für dahin gesen- 
dete Luxuswaren auferlegen zu 
können. In der Tat ist dies in Frank- 
reich in hohem Maße gelungen. 
Bekannt sind ja die lebhaften 
und planvollen Bemühungen Lud- 
wigs XIV. und seines für Frank- 
reich so verdienstvollen Ministers 
Colbert um die Hebung aller fran- 
zösischen Gewerbe, sei es nun der 
Tuchindustrie, die aus den Nieder- 
landen, oder der Strumpfwirkerei, 
die aus England eingeführt wurde. 
Besonderen Aufschwung nahm die 
Weberei in Lyon und eben die 
Spitzenindustrie, zu deren Hebung 
direkt venezianische Arbeiterinnen 
berufen wurden; auch das Verbot 
der venezianischen Behörden, das 
die Auswanderung unter Todes- 
strafe stellte, konnte nichts da- 
Spitzen- und Porträtausstellung in Wien. „BrüsseleW Klöppelspilze (zum Teile auf neuem Grunde) gegen 1750. 1,75 d. n. Gr. (Kam-Nr. 362)
	        

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