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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

Rokoko, da sich ein ge- 
wisser weiblicher Zug 
auch im männlichen We- 
sen geltend macht, gehen 
die starken Formen dann 
völlig verloren. 
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Wenn es zum Wesen 
des Witzes gehört, an- 
scheinend einander ganz 
fernliegende Dinge in 
Verbindung miteinander 
zu setzen, dann gibt es 
eine witzige Kunst. Ich 
habe an anderer Stelle 
die Frage aufgeworfen, 
ob es auch in den nicht 
nachahmenden Künsten, 
in der Ton- und der 
Raumkunst, wirklichen 
Witz geben kann; ich 
meine nicht den Witz 
eines Potpourri, den man 
zumeist erst erkennt, 
wenn man das Zugehö_ Spitzen- und Porträtausstellung in Wien. "Alenqon", Nähspitze, 
um x8oo. K"; d. n. Gr. (KaL-Nr. 52g) 
rige Programm liest, 
nicht einen gegenständlichen Witz, sondern einen rein formell-künstlerischen; 
in der Musik sollen ihn moderne Künstler erstrebt haben. 
In der Dekoration ist er jedenfalls im Rokoko nicht nur erstrebt, sondern 
zu glänzender Entfaltung gebracht worden. 
Der Stil des Regence und des Rokoko, der Zeit beginnender „Auf- 
klärung", müssen, wenn sie den Geist der Zeit wirklich verkörpern wollen, 
naturgemäß zunächst etwas stark Negatives, die Auflehnung gegen die 
Übermacht des, alle geistlichen, staatlichen und geistigen Kräfte konzentrie- 
renden Barockgeistes in sich tragen; dabei muß sich eine starke, wenn 
auch eine oft auf Umwegen irrende und tastende Sehnsucht nach der Natur 
geltend machen. 
Das ist nun auch im Rokoko der Fall. Mit Witz, der kaum dem eines Vol- 
taire nachsteht, vermögen die großen Meister des Rokoko die kühnsten Ideen- 
verbindungen zu schaffen: da werden Voluten und Felsen, Blumen und 
reiche Netzgründe, Wasserfälle und Musikinstrumente, chinesische Figürchen 
und wieder eine Volute oder ein netzartiges Muster in geradezu geist-
	        

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