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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

 
Spitzen- und Porträtausstellung in Wien. Brüsseler Spitze aus dem Nachlass: weiland ihrer Majestät der 
Kaiserin Elisabeth, kombinierte Arbeit. 3. Viertel des XlX. jahrhundertes. I]; d. n. Gr. (Kam-Nr. 661) 
etwa auf dem Bilde Seite 389 findet, unschwer erklärlich. In der Rokokozeit 
entwickelt sich aber neben den Arm- undl-Ialskrausendie überwiegende Bedeu- 
tung der Spitzenvolants am Oberkleide, die dann auch noch größere Form 
zeigen (wie etwa die Darstellungen auf Seite 391 und 397), oder die Spitze 
sitzt als freie Krause am Halse, ohne jede Verbindung mit dem weitaus- 
geschnittenen Gewande, und huscht darüber hin, wie zarte Nebel über die 
Felder. Naturgemäß ist noch die Verwendung als Kopfschmuck (vergleiche 
Seite 38g), die sich folgerichtig aus dem Gebrauche der Hauben entwickelt. 
Auch beim Manne gibt es nicht mehr die großen Kragen von früher, 
sondern nur die leichteren Krawatten und gefältelte Armkrausen. Überhaupt 
die feine Fältelung der Spitzen ist jetzt so bezeichnend und ist natürlich auch 
maßgebend geworden für die Formen. 
Im XVII. Jahrhunderte hatte man eine Leidenschaft für Spitzen - so 
soll in den Kriegen zwischen Ludwig XIV. und den Niederlanden einmal ein 
Waffenstillstand vereinbart worden sein, damit die Offiziere beider Truppen 
sich mit neuen Spitzen versehen könnten -, jedoch freizügig, möchte ich 
sagen, alles überwuchernd ist die Spitze erst im Rokoko geworden und erhält 
sich so noch bis in die Louis XVI-Zeit hinein, wenn die Formen selbst auch 
immer mehr gemäßigt werden; man vergleiche die Abbildung Seite 405. 
Die Barockspitze mit ihren großen Linien ist veraltet, höchstens noch 
für die Fernwirkung kirchlicher Arbeiten berechtigt oder, in immer mehr ent- 
artenden Formen, dem bäuerischen Geschmack entsprechendf" 
Unter den Musterblättern der Margarethe Helm(in) (Nürnberg bei 
Joh. Christof Weigl, ohne Jahr), die dem Ende des XVII. und dem frühenXVIII. 
Jahrhunderte entstammen, finden sich eingestreut bereits Klöppelarbeiten, 
"t Unter "Guipure" scheint man ursprünglich eine Art Gold- und Seidenstickerei (ausGimpen) verstanden 
zu haben, die Savary (a. a. 0., III, 25x) noch als bäuerlich aniührt. Da sich in diesen Arbeiten die alten Barock- 
formen länger erhielten, nannte man später alle mehr an die Barocke erinnernden großblumigen Spitzen ohne 
durchgehenden Grund so.
	        

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